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Mein Zitat des Tages
Gandhi:
--- Zitat ---Auch wenn Axel jetzt wieder mit seiner Neokapitalistischen Sicht kommt. Es fehlt ganz einfach am "gesellschaftlichen Verantwortungsbewusstsein" weiter Teile unserer Großindustrie.
--- Ende Zitat ---
Und genau ohne Verantwortung funktioniert kein Liberalismus. Im Manchesterkapitalismus - dem tatsächlichen - nicht der diffamierten Variante - ist dieser Teil daher überaschenderweise besonderst stark betont (s. Adam Smith).
Heutezutage findet man derlei Verantwortungsgefühl immer noch vor allem bei den Inhabergeführten Unternehmen, also vor allem dem Mittelstand, der, obwohl er nachweislich DIE Maschine Deutschlands hinsichtlich Arbeitsbeschaffung und Wirtschaftsleistung ist, nach wie vor behandelt wird wie die ungeliebte Stieftochter. Der Mittelstand leidet besonders unter dem bizarren Steuerrecht und der alles zum Stillstand bringenden Verwaltung.
Daher meine Hoffnung: Weg vom Neoliberalismus - hin zum Liberalismus: Freiheit und Verantwortung. Und: keine Verantwortung mehr an den Staat abgeben (wenn das nicht absolut notwendig ist).
Zum Thema Gewerkschaften: Die haben sicherlich ihr Existenzrecht und eine überaus stolze und verdienstvolle Vergangenheit. Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass sie sich hin zum Dienstleister für die Betriebsräte entwickeln, diese also beraten und unterstützen. Fatal finde ich, dass die Gewerkschaften noch heute mit 'Lösungen' kommen, die die Realität bereits als falsch bewertet hat.
Weniger arbeiten schafft auf einem Markt, wo einige viel mehr (und somit billiger arbeiten) dort wo weniger gearbeitet wird eben keine Arbeitsplätze. Wie man sowas heute noch behaupten kann ist mir vollkommen unklar.
Marinero Atlántico:
A. Smith mag ja persönlich ein netter Mann gewesen sein. Seine Bedeutung in der Geschichte war aber die Theorie nach der in der Wirtschaft eine unsichtbare Hand automatisch für die besten Verhältnisse sorgt und das sich der Staat bitte schön herauszuhalten hat.
Empirische Erfahrungen im 19. Jhdt. haben gezeigt, dass eine ziemlich wörtlichen Umsetzung dieser Theorie zu wenig ästhetischen Ergebnissen in bestimmten Bevölkerungskreisen führt.
Neoliberalismus, Liberalismus, etc. sind einfach alles sehr fragwürdige Begriffe mit einer Geschichte.
Neoliberalismus ist im Grunde der alte Liberalismus und ist ein Begriff von Gegnern des "Neoliberalismus". Für liberale gibt es so einen Begriff gar nicht.
Nachdem J. M. Keynes Theorien besagte, dass die unsichtbare Hand unter bestimmten Bedingungen nicht funktioniert und das der Staat sehr wohl eingreifen soll, verdichtete sich ab den 60er Jahre unter den Fahnen des Monetarismus, der Angebotsorientierten Wirtschaftspolitik und sowas wie Public Choice/New Institutional Economics Kritiker am Keynesianismus und Eingriffe des Staates in die Wirtschaft, die wieder die unsichtbare Hand stärker betonten. Diese Leute verstehen sich aber als Liberale und lehnen den Begriff "Neoliberal" ab.
Unzählige empirische Befunde gegen einen zu starken Eingriffs des Staats in die Wirtschaft lieferten Entwicklungsländer (Importsubstitution), Groß Britanien vor Margaret Thatcher und der Ostblock.
Und bitte. Es soll um praktische Politik gehen. Der Staat kann zwar hoffen, dass sich Manager netter zu den Deutschen verhalten. Wirklich steuern können sie es aber nicht. Wir können natürlich die Armee in die Betriebe schicken. Und es sind eben nicht alle Betriebe von Eigentümern geführt. Mit ein bischen weniger Obrigkeitsgeist unter den Angestellten und einer ein bischen kritischer Haltung gegenüber nicht so erfolgreichen Vorgesetzten, kann schon viel erreicht werden.
Hab den bekannten Satz "Der Chef hat aber gesagt" heute wieder gehört. ;D
Gruß Axel
pd:
Hm, irgendwo unten hab ich gelesen (oben für die, die standardmäßig sortieren ;-) dass (pauschal zusammengefasst) viele Vorgesetzte in Dtld. im Prinzip mehr für die eigene Profilneurose arbeiten als wirtschaftlich handeln. Das möchte ich auf jedenfall mal unterstreichen. Durch schwaches Management (und/oder Bequemlichkeit, weil Profilneurotiker sind nach oben hin meistens gute A-Kriecher) wird das auch noch unterstützt.
Also die von Axel geforderte (und sicher berechtigte) kritische Haltung ist gar nicht so einfach, schnell landet man auf nem Feuerstuhl, hat aber doch ne Familie zu versorgen. Aber richtig ist auch, einer muss damit anfangen, und der berufliche Nachwuchs, den ich am WoE in der Tanke beobachte ist es sicher nicht... Da kann ich nur auf die Generation danach hoffen. Leider werden bei uns mittlerweile Kiddies ab 12 oder 13 bereits von den 17 18jährigen mit Alkohol versorgt und auf diverse Saufgelage mitgeschleppt. Das bringt mir bei fast jeder Nachtschicht wüste "Handgemenge" ein, weil ich erstens den Kiddies schonmal gar nix gebe (die glauben tatsächlich ich verkaufe denen einfach so ne Flasche Gorbatschow) und den alten, die wir schon identifiziert haben dann eben auch nix. Seh ich doch gar nicht ein! Weis aber gar nicht ob ich den Verkauf überhaupt verweigern darf...
Grüßle, Patrick
Thomas Schulte:
--- Zitat von: Marinero Atlántico am 15.06.05 - 11:09:13 ---Es hört sich vielleicht auf dem ersten Blick toll an von wegen neben Gewinn eben noch soziale Verantwortung. Meiner Meinung nach funktioniert aber so die Wirtschaft nicht. Das ist gar nicht ihre Aufgabe. Sie bilden dann Leute aus, wenn sie davon ausgehen, dass die Leute mit diesem Wissen einen Nutzen stiften, der höher ist als die Ausbildungskosten.
--- Ende Zitat ---
Fehler in der Denkweise Axel.
Annahme:
- Alle Teilnehmer an einer Volkswirtschaftlichen Teileinheit sitzen in einem Boot.
- Jeder Teilnehmer hat ein Schnitzmesser und ein Stück Holz, jeder hat die freie Wahl welche dieser Ressourcen er benutzt. Er darf aber nur eine Ressource benutzen.
- Ein Teil der Teilnehmer darf in andere Boote wechseln
- Jeder Teilnehmer trägt etwas zu der Steuerbarkeit des Bootes bei
Aussage:
Wenn jetzt nur einer mit dem Messer ein Loch in das Boot bohrt geht dieses spezielle Boot noch nicht unter. macht es ein GERINGER Prozentsatz wird es schwieriger aber die anderen Teilnehmer können ja ihre Holzstücke dazu verwenden die verursachten Löcher zu stopfen. Machen das mehr als 50% geht das Boot unweigerlich unter denn es gibt schlicht und einfach nicht mehr genug Holzbesitzer die ihre Ressourcen zur Verfügung stellen könnten.
Wechselt ein Teilnehmer nachdem er ein Loch geschnitzt hat in ein anderes Boot kann das unter Umständen aufgefangen werden. Tun das viele ohne das aus anderen Booten entsprechende Rückwechsler kommen, ist das Boot nicht mehr zu steuern und geht weil nicht genug Teilnehmer zum Ausschöpfen da sind unter.
(Ich weiss das dieser Vergleich auf beiden Beinen hinkt. Aber was ich sagen will zeigt er deutlich)
Das meine ich mit "Sozialer Verantwortung". Du könntest es auch "Gesellschaftliche Gesamtverantwortung" nennen oder das "ich säg mir nicht den Ast ab auf dem ich sitze" Prinzip. Kapitalgesteuerte Unternehmen denken in Quartalen und treffen Entscheidungen in Quartalen. Ausbildung braucht Zeit. Gute Ausbildung braucht viel Zeit. Gesellschaftliche Entwicklung braucht ebenfalls Zeit. Zeit an die die entsprechende Führungsriege nicht denkt bis es zu spät ist. Anschließend werden genau diese Leute (bzw. deren Nachfolger) die uns jetzt ihre "wir müssen Arbeitsplätze abbauen weil es woanders billiger ist" Tiraden um die Ohren hauen die beklagenswerte Situation das es keine qualifizierten Mitarbeiter mehr gibt in wunderschönen Sonntagsreden, gekoppelt mit Appellen an das Verantwortungsbewusstsein und die Bildungspflicht Ihrer eigenen Arbeitnehmer, vor dem mehr oder weniger geneigten Publikum ausbreiten.
--- Zitat von: Marinero Atlántico am 15.06.05 - 11:09:13 ---Ergebnisse von Wirtschaftswissenschaftliche Ex ante Studien (Facharbeitermangel in 5 Jahren) treten übrigens in der Realität nicht unbedingt ein
--- Ende Zitat ---
Hier hast du nicht richtig gelesen. Das ist keine Wirtschaftswissenschaftliche Aussage, sondern eine Demographische und die Schlussfolgerung die er gezogen hat ist für jeden der sich die aktelle Bevölkerungspyramide einmal genauer angeschaut hat klar nachvollziehbar. Der Artikel ist übrigens für sich auch sehr lesenswert. So gesehen eliminiert sich unser Arbeitlosenproblem von selbst. Die Volkswirtschaftliche Leistungsfähigkeit allerdings auch.
P.S. das Pdf das am Ende des Artikels hängt hat es auch in sich.
Marinero Atlántico:
--- Zitat von: pd am 15.06.05 - 12:12:03 ---viele Vorgesetzte in Dtld. im Prinzip mehr für die eigene Profilneurose arbeiten als wirtschaftlich handeln. Das möchte ich auf jedenfall mal unterstreichen. Durch schwaches Management (und/oder Bequemlichkeit, weil Profilneurotiker sind nach oben hin meistens gute A-Kriecher) wird das auch noch unterstützt.
--- Ende Zitat ---
von unten aber auch. Sitze hier gerade in so einem Gang. :-:
Es gibt aber auch vernünftige Vorgesetzte. Hier ist leider mehr so Honduras-mässig. ;D
Ein fröhliches Business Lächeln aufsetzen ist mir zu anstrengend. Die haben eh kein Budget für Aufträge zu vergeben. Also: Immer ruhig Blut und auf introvertiert/distanziert/arrogant machen.
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