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Wen ich FJW lese, wird mir immer so flau in der Magengegend

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Mark³:
die stellen meist auch nur sehr gute Leute ein. Das ist ja das Fiese, wenn besonders intelligente Leute all ihr Potential nutzen um die Leute zu manipulieren.

flaite:

--- Zitat von: Gandhi am 04.11.05 - 12:45:49 ---So gesehen gibt es dann gar keine wissenschaftliche Aussagen.
Bsp.: Mathematik:
In jeder Algebra bilden Axiome (nicht beweisbare Grundannahmen, die aber jeder als richtig empfindet, was keineswegs heissen kann, dass sie es auch (immer) sind) die Basis.
Somit wäre Mathematik nicht wissenschaftlich?
Da jede Naturwissenschaft auf Mathematik aufbaut, wären die alle nicht wissenschaftlich.
Das gleiche gälte dann auch für z.B. Wirtschaftswissenschaften.

--- Ende Zitat ---
Ist es wohl.
Auf der Basis dieser oder jener Annahmen, stelle ich dieses Modell auf.
Damit ist das Modell (oder der auf Axiome beruhende mathematische Beweis) falsifizierbar. Die Axiome sind dabei als gegeben gesetzte Elemente der Aussage und als solche klar gekennzeichnet. Das Modell oder der Beweis ist dann falsifizierbar, wenn die Axiome als wahr angenommen werden. Man kann natürlich auch die Axiome selbst als fehlerhaft angreifen. Das hat aber nichts mehr mit der Falschheit oder Richtigkeit der Aussage zu tun, da die Axiome impliziter Bestandteil der Aussage sind.

Volkswirtschaftliche Modelle beruhen stets auf bestimmten Annahmen und sie sind natürlich eine Vereinfachung der Wirklichkeit, da eine Wirtschaft einfach zu komplex ist. Die Theorien entwickeln sich v.a. dadurch weiter, dass die Axiome angegriffen werden. Keynes bezweifelte z.B. das Axiom der liberalen Schule, dass eine Ökonomie nach einem Schock automatisch irgendwann in einen Gleichgewichtszustand zurückkehrt und deshalb staatliche Eingriffe förderlich sein können.
Diese staatliche Eingriffs-happiness wurde wiederum von Vertretern des Monetarismus, supply side economics und Public Choice kritisiert.
Natürlich hat keiner dieser Vertreter die Weltformel gefunden. Die Argumentationen auf der Basis ihrer jeweiligen Axiome sind aber durchaus rational und schlüssig. Die zugrundeliegenden Annahmen holten sie sich jeweils aus ihrer Zeit und sind natürlich z.T. zumindest unbewusst ideologisch gefärbt. Die Volkswirtschaft bemüht sich aber gleichzeitig massiv um die statistische Aufbereitung und die Erhebung von realen Daten gegen die die Theorien getestet werden können.

Natürlich kann man in wissenschaftlichen Modellen nur Teile der Welt abbilden. Diese Unvollständigkeit heisst aber nicht, dass sie keinen Sinn machen.

Axel

Mark³:
OK, dann mal ein praktisches Beispiel: Die meisten Wirtschaftsweisen (nicht nur die 5) sind sich einig, dass das Hauptproblem in Deutschland die fehlende Binnennachfrage ist.
Nun haben wir die Situation, dass die nächste Regierung 70% der Wählerstimmen hinter sich hat und daher genug Legitimation, um Dinge ordentlich zu korrigieren. Und was fällt denen ein als Lösung für obiges Problem:
Sie wollen die Mehrwertsteuer erhöhen, tolle Erfindung. Dann wird sicher jeder der bisher durch Konsumverzicht die Binnennachfrage geschwächt hat sofort nach der Erhöhung losziehen und all sein Geld ausgeben.  ???
Die Leute sitzen doch auf ihrem Geld weil niemand weiß ob er morgen noch Arbeit oder Rente hat. Deshalb erreicht die Sparrate immer neue Rekorde und die Leute kaufen verstärkt Billigprodukte. Dies bewirkt beides, dass immer mehr Leute ihren Job verlieren und ein Kreislauf setzt ein.

Diesen Kreislauf zu durchbrechen ist natürlich schwierig, aber durch höhere Steuern und sinkende Rente und Löhne wird dies sicher nicht gehen.
Vielmehr muss Aufklärung betrieben werden (vielleicht auch in der BLÖD?) dass beim Einkauf doch mal Wert auf Qualität gelegt werden sollte und die Billig-Schiene unseren Standort zerstört.  Dann muss natürlich der Faktor Arbeit billiger werden. Das wollen die Politiker auch oft umsetzen, nur leider passiert da nie etwas ausser das etwas Umverteilung von Geringverdienern zu Besserverdienern betrieben wird.

Gandhi:
Nun, zu den Axiomen ist folgendes zu saegn:
Sie bildene ein integrales Glied in jeder Beweis/Aussagenkette.

Daher ist diese nicht falsifizierbar, sobald ein Glied nicht falsifizierbar ist.
Da dies dann aber überhaupt keine wissenschaftliche Aussage zulässt, werden diese Axiome aus der Beweisführung ausgeklammert.
Daher lebt man stets mit der Möglichkeit, dass diese auch falsch sein können und somit die Aussage als ganzes ad absurdum führen.
Somit ist eine Aussage zwar falsifizierbar, aber eben nur, wenn man Axiome ausklammert - was genaugenommen die Aussage sehr schwammig werden lässt - aber eben immer noch das Beste ist, was man bekommen kann.
Wenn sich jemand aber hinstellt und behauptet es sei nur dann wissenschaftlich, wenn die gesamte Aussage falsifizierbar ist, müsste auch jeder Teil der Aussage falsifizierbar sein. Das ist wie gesagt bei Axiomen nicht möglich - weshalb unter dieser Doktrin keine Aussage falsifizierbar ist.
Daher müsste es korrekt heissen, dass Aussagen dann als wissenschaftlich gelten, wenn jeder Teil der Aussage und die Aussage als Ganzes falsifizierbar bzw. verifizierbar (auch das ist ja ein valider logischer Beweis) unter der Annahme bestimmter Axiome sein muss, für die dieses Verfahren eben nicht gelten kann.
Dann wäre ich mit dem Satz einverstanden

flaite:

--- Zitat von: Gandhi am 04.11.05 - 15:10:47 ---Daher müsste es korrekt heissen, dass Aussagen dann als wissenschaftlich gelten, wenn jeder Teil der Aussage und die Aussage als Ganzes falsifizierbar bzw. verifizierbar (auch das ist ja ein valider logischer Beweis) unter der Annahme bestimmter Axiome sein muss, für die dieses Verfahren eben nicht gelten kann.

--- Ende Zitat ---
Die Annahmen besitzen eine Sonderrolle.
Diese Aussage ist wahr unter diesen als gegeben betrachteten Voraussagen.
Ich sehe das als eine falsifizierbare Aussage.
Die Aussage selbst kann nur auf Basis der Axiome falsifiziert werden.
Man kann natürlich auch die Axiome in Frage stellen. Das hat aber nix mit der Falsifizierbarkeit der Aussage an sich zu tun.
Ich find das als Konzept nicht dumm.

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