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Bundestagswahlergebnis zu verkaufen
Don Pasquale:
Wenn Du 42 mit 53 vergleichst, ja dann sind 42 % besser.
flaite:
--- Zitat von: Thomas Schulte am 20.09.05 - 12:51:31 ---- Unsozial sind die Unternehmer, die trotz hoher Gewinne Mitarbeiter entlassen und sich damit langfristig auch noch selber Schaden zufügen (Die sind nicht nur unsozial sondern dämlich). Oder was glaubt ihr warum in Deutschland diese Konsumzurückhaltung (hach ist das ein vornehmes Wort) herrscht.
--- Ende Zitat ---
An solchen Aussagen sieht man, dass die Grundpfeiler der Sozialen Marktwirtschaft wie Eigentumsrechte und Vertragsfreiheit von einer Mehrheit in Deutschland (inklusive Neu-Fünftland) nicht mehr akzeptiert werden. Du magst mich für naiv halten, aber ich glaube, dass ein Unternehmer Mitarbeiter, die ihm Gewinne erwirtschaften, nicht entlassen wird. Ansonsten kann natürlich jede Seite den Arbeitsvertrag kündigen. Das ist übrigens in den gerade von Linken vielzitierten skandinavischen Ländern nicht anders. Die Reformen der 90er Jahre haben dort gerade das Arbeitsrecht den neuen Erfordernissen der Globalisierung angepasst. Und dass heisst, dass Unternehmer leichter einen Arbeitsvertrag kündigen können.
Konsumzurückhaltung herrscht in Deutschland, weil die Erwartungen hinsichtlich der Zukunft angesichts von Staatsverschuldung, Beamtenpensionen, Konkurrenten und moralischer Verfassung des Landes nicht besonders rosig sind. Wenn wir wieder wettbewerbsfähiger werden, wird die Zuversicht auch wieder zunehmen. Das kann aber noch einige Jahre in Anspruch nehmen.
Und wie soll das bitte anders geregelt werden. Soll ein staatlicher Kommissar prüfen, ob eine Entlassung jetzt gerechtfertigt oder nicht ist?
--- Zitat ---- Unsozial sind diejenigen die Leistungen der Sozialen Gemeinschaft abfordern ohne sich selber in diese Gemeinschaft einbringen zu wollen
--- Ende Zitat ---
Was heisst hier soziale Gemeinschaft. Selbstverständlich besitzt jeder Mensch eine natürliche Altruismus-Komponente. Es ist oft auch einfach ökonomischer, kooperativ zu handeln.
Aber eine autoritär durchgesetzte "Soziale Gemeinschaft" sollte es nicht geben, da sie u.U. dem individuellen Streben nach Glück entgegensteht. Jemand, der sich aus meiner Sicht zu saugend verhält, wird auch von mir entsprechend behandelt. Brauchen wir da zu viele Regeln? Ich denke, nein.
--- Zitat ---- Unsozial sind Personen und Gruppen die ohne entsprechende Gegenleistung immer nur nach ihrem maximalen Profit streben. solche Leute findet man hier im Forum übrigens auch)
--- Ende Zitat ---
Eine Menge von Studien haben gezeigt, dass kooperatives Verhalten hinsichtlich des Gewinns oft ökonomischer ist. Selbstverständlich gibt es Grenzen.
Während meines Studiums hiess es:
Solidarprinzip ist, wenn die feuchte Hand des einen in die Tasche des anderen greift.
Deshalb erwarte ich auch nicht so viel und werde deshalb auch nicht enttäuscht. Ich denke, dass ich mich in technischer Hinsicht hier oft kooperativ verhalte. Natürlich in bestimmten Grenzen.
Axel
Gandhi:
@don: Darum kann es kaum gehen.
Es ist auch besser ein Auge zu haben als keines - gut ist es deswegen immer noch nicht.
Don Pasquale:
Stimmt, ich finde 42% auch zuwenig.
Gandhi:
Noch mal zu den Unternehmen, die trotz Gewinnen Leute entlassen:
Zum einen ist es wie gesagt so, dass Unternehmen keine sozialen Einrichtungen sind, sondern das Ziel haben Geld zu erwirtschaften. Wer anderes erwartet wird zwangsläufig enttäuscht.
Weiterhin kann es sehr wohl sozial sein, Leute zu entlassen (sogar bei Gewinnen).
Das Beispiel ist einfach. Bleiben wir beim Konkreten:
Eine Bank hat hervorragende Gewinne erwirtschaftet, steht aber unter Beobachtung möglicher Käufer.
Kaufen diese die Bank, werden Kunden und Name (Firma) bestehen, alle Mitarbeiter werden entlassen.
Entlasse ich nun - sagen wir 10% - der weniger produktiven MA und erhöht das meinen Marktwert so hoch, dass der Preis für die Käufer zu hoch ist, so habe ich 90% der Arbeitsplätze erhalten. So argumentiert jedenfalls J. Ackermann - und für mich hört es sich schlüssig an - wenn ich es auch für überaus bedauerlich halte.
Aber unsozial sind Unternehmen (v.a. Banken) in DE auch aus einem anderen Grund nicht:
1993 gab es eine Studie (vgl. Brand Eins aktuelle Ausgabe), die besagt, dass 60%! aller Bankarbeitsplätze durch Rationalisierung und Automatisierung eingespart werden könnten. Auf alle Industrien ausgeweitet bedeutete dies in Deutschland eine Arbeitslosenquote von 38%...
Das diese nicht aktuell ist, zeigt, dass die Unternehmen viel Arbeitnehmerfreundlich sind, als gemeinhin unterstellt - und das, obwohl dies nicht in der primären Aufgabenstellung der Manager liegt. Vielleicht wäre insgesamt auch hier etwas mehr Fairness angebracht.
Und noch was zum Thema Altruismus: Es ist sozial und auch aus der Sicht der Reichen nutzvoll, wenn man einen Teil seines Einkommens umverteilt. Lieber zahle ich doch Steuern, als mir von hungernden Obdachlosen auf die Birne klopfen zu lassen. Das ist also keineswegs Altruistisch (Herr Kennwort ;)). Fraglich ist aber, ob ich neben deren Lebenshaltungskosten auch noch deren Freizeit'vergnügen', wie Kohleabbau (kostet pro Arbeitsplatz mehr, als man für die entsprechenden Löhne zahlen müsste - ohne dass die arbeiten müssten), Häuslebau, sinnfreie Weiterbildungen (wer kennt sie nicht, die MCSEs vom Arbeitsamt) etc.
Wenn jeder zuerst überlegen würde, was er aus eigener Kraft für die Verbesserung seiner Situation tun kann, hätten wir diesen Umverteilungsstaat nicht nötig. Und das ist, was mich am meisten ärgert.
@Don: Wenn Du >80 Stunden pro Woche gearbeitet hättest und dann festgestellt hättest somit >40 Stunden für gemeinnützige Tätigkeiten verpflichtet zu sein, würdest Du solche Sprüche (da bin ich mir sicher) nicht reissen.
Wenn Du im Sommer diejenigen gesehen hättest, die mit dem Fahrrad an Deinem Büro vorbeigefahren sind - ins Schwimmbad, letztendlich teilweise durch Dich finanziert - würdest Du so nicht reden.
Es wird immer davon ausgegangen, dass diejenigen, die viel verdienen sich dafür nicht anstrengen müssen - was meiner Erfahrung nach vollkommen falsch ist. 42% sind in meiner Empfindung nichts anderes als eine Form der Sklaverei.
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