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Thomas Schulte:
Axel du hast dich wie schon häufiger nicht mit der Antwort beschäftigt sondern bist ausgewichen. Aber was solls.


--- Zitat von: kennwort am 20.09.05 - 14:59:48 ---Genauso können auch Arbeitnehmer den Vertrag auflösen, weil ihnen eben ihre Arbeitskraft gehört.

--- Ende Zitat ---

Können sie das wirklich? Bist du tatsächlich der Meinung das jeder Arbeitnehmer in der Lage ist ein Unternehmen ohne Probleme und sofort wenn er es will zu verlassen? Wenn das wirklich deine Meinung ist, dann musst du irgendwo anders leben und nicht in Deutschland. Noch nicht einmal in Europa.

Gut ich betrachte also einen durchschnittlichen deutschen IndustrieArbeiter. 38 Jahre alt. Mit Frau und 1,5 Kindern und einem Durchschnittsgehalt. Er hat sich vor 3 Jahren ein neues Auto gekauft das er noch abbezahlt, die Einrichtung seiner Wohnung ist ein paar Jahre alt. Besonders hoch qualifiziert ist er nicht. Er hat kein hoch gefragtes Spezialwissen. Seine flüssigen Rücklagen belaufen sich weil er ein paar Jahre gespart hat auf 5 Monatsgehälter.

Und du sagst für ihm herrscht Vertragsfreiheit?
Wenn er eines nicht hat dann das.
Er kann es sich ausrechnen das wenn er diesen Arbeitsplatz verliert es keinen anderen geben wird.
Er ist nicht in der Lage auszuwandern, denn von seiner Sorte haben Länder wie die USA, Kanada, Australien, Neuseeland, China, Indien ... selber mehr als genug.

Wo bleibt da seine Vertragsfreiheit?

Gandhi:

--- Zitat ---Unsozial sind diese Unternehmen trotzdem, denn sie ziehen der Volkswirtschaft in der sie leben und auch sich selbst den Boden unter den Füßen weg.
--- Ende Zitat ---
Genau diesen Boden haben die Unternehmen aber selbst aufgebaut: Sie haben selbst Steuern gezahlt, haben Angestellte bezahlt, die davon selbst Steuern zahlen, haben Produkte erzeugt, auf die Steuern gezahlt werden. Allein schon der eigennützige Unternehmenszweck bringt sozialen Nutzen.

Und auch wenn die Unternehmensleitung zuerst (im Fall DB) eigennützige Ziele verfolgt springt sozial gesehen dennoch was raus: Wären sie von - z.B. Citygroup - gekauft worden - gäbe es jetzt fast gar keine Arbeitsplätze der DB in Deutschland mehr.

Zum Siemens Beispiel und den Märkten: du hättest Recht, verkaufte Siemens ausschliesslich in Deutschland Produkte. Deren Wachstumsmärkte sind allerdings in Asien - womit sie dann die Einbussen in D sicherlich verkraften können.

Thema Vertragsfreiheit: Doch, der Arbeitnehmer hat die Freiheit sich den Arbeitgeber zu suchen - wie auch umgekehrt. Ob das praktisch gelingt - ist fraglich: Hier zum Beispiel suchen sie gerade jemanden, der in Oracle, Java, TripleA, SimCorp und Avaloq tiefgehende Kenntnisse hat - und finden ihn (natürlich) nicht.
Das Dein Arbeitnehmer faktisch besser nicht kündigen kann resultiert aus seinen Entscheidungen (z.B. für das Auto). Was er da also zu tragen hat ist die Konsequenz seiner Entscheidung - und das ist gut so.
Dass die wirtschaftliche Lage nicht so ist, wie sie sein sollte - dafür kann er auch etwas - wenn er SPD gewählt hat ;) Damit er im Fall eines Verlustes nicht sofort durchgereicht wird gibt es in DE ein Sozialsystem - dass er ansonsten seinen Arbeitsplatz behalten muss ist auf jeden Fall zumutbar.
Dass er seine Freiheit nicht nutzen kann - wem soll man die Schuld geben?


Schliesslich zur Lohnhöhe: Man muss sich eben genau anschauen, was in Deutschland sich lohnt - und was nicht. Industrielle Fertigung lohnt sich in D definitiv nicht mehr - bis auf vielleicht kleine Nieschen. Dann muss man schauen, was man tun kann.
Vollbeschäftigung ist definitiv zukünftig auszuschliessen - dafür ist der Automationsgrad einfach zu wachsend - und hier gebe ich den linken Parteien auch Recht, dass dann ein neues Gesellschaftsmodell her muss - und die Arbeit an sich ganz neu bewertet werden muss (s.a. Brand Eins).

Thomas Schulte:

--- Zitat von: Gandhi am 20.09.05 - 14:53:56 ---Nun, ich meine, Unternehmen sind ein 'Pfeiler der Gesellschaft'.

--- Ende Zitat ---
Nur was machst du wenn sich eben diese "Pfeiler" aus der tragenden Verantwortung stehlen? Und zwar nicht nur einer sondern viele.
Mir geht es hier nicht darum Unternehmen oder Unternehmer (wo es noch welche sind) zu dämonisieren. Ich versuche nur einen Blickwinkel einzubringen der nur allzugerne vergessen wird.

Und falls das niemand hier aufgefallen ist. Mit einem Bekenntnis zur Verantwortung innerhalb einer Sozialgemeinschaft stärken sich Unternehmen die auch lokal agieren automatisch auch selbst. Denn ein Binnenmarkt der Leistungen eines Unternehmens abruft, weil er sich das leisten kann sorgt dafür, das ein Unternehmen wirtschftlich gesund bleibt. Eine Volkswirtschaft die nicht auch ein gesundes Maß an Binnennachfrage hat ist bei den kleinsten Schwankungen des Weltmarktes tödlich verwundbar.

Analog zum aktuellen Verhalten vieler Unternehmen kann man einen Bauern sehen der von seinen Feldern über Jahre hinweg Maximalertrag verlangt ohne in Form von Dünger, Felderruhe oder anderen Maßnahmen dafür zu sorgen das sich sein Boden regenerieren kann. Jeder würde einen solchen Bauern für verrückt erklären, sorgt er doch selber dafür das seine Einnahmequelle über kurz oder lang versiegen wird.

flaite:

--- Zitat ---Deutschland. Industriearbeiter. 38 Jahre. 3 Jahre altes Auto. Ohne Spezialwissen

--- Ende Zitat ---
Sowas nennt man Lebensrisiko. Wir alle tragen das ich auch. Gleichzeitig wird in der Slovakei ein Arbeitsplatz aufgebaut und der Mann kann dann vielleicht endlich sein Dach reparieren. Nein. Das lässt sich moralisch nicht auflösen. Ich hab in Chile genug hart arbeitende, extrem vernünftige und sich permanent fortbildende Menschen kennengelernt, die sich kein Auto leisten konnten. Ich hab übrigens auch kein Auto. Mein Mitleid hält sich also in überschaubaren Grenzen. Vielleicht muß er seinen Lebensstandard ein bischen einschränken. Ich habe auch schon Reallohnverluste in Kauf genommen und dann teilweise wiedergewonnen.


--- Zitat von: Thomas Schulte am 20.09.05 - 15:04:51 ---Ein Unternehmen das Leute trotz guter Gewinnlage entlässt um noch besser dazustehen damit es nicht geschluckt wird, verfolgt in erster Linie Unternehmensstrategische Ziele das hat nichts mit der Sozialgemeinschaft zu tun.

--- Ende Zitat ---
Ein Unternehmen muß nur die Gesetze des Landes einhalten. Gewisse moralische Standards sind freiwillig und übrigens auch überhaupt nicht überprüfbar. Wer will denn bitte überprüfen, ob bestimmte Arbeitsplätze profitabel sind oder nicht. In der sozialen Marktwirtschaft werden solche Entscheidungen eben nicht zentral, sondern verteilt von den Managern in den Unternehmen gefällt.


--- Zitat von: Thomas Schulte am 20.09.05 - 15:04:51 ---Wenn Siemens heute zigTausend Leute in Nürnberg rausschmeist, dann hat das unmittelbare Auswirkungen auch auf Siemens. Denn Leute die kein Geld mehr haben können sich die Waren von Siemens nicht mehr leisten. Die direkte Folge ist, das der Markt einbricht (Umsatz fällt). Das Unternehmen muss seine Verkaufspreise senken damit die Leute wieder kaufen. Dadurch fällt als allererstes wieder der Unternehmensgewinn.

--- Ende Zitat ---
Du weisst, dass das ein sehr naives Modell ist?
Zunächst einmal besteht die Welt ja nicht nur aus Deutschland, sondern eben auch viele andere schöne Länder. Siemens fährt doch heute schon eine Mischkalkulation nach der auf Grund von preisgünstigen Arbeitskräften in Osteuropa und Indien kostspielige Arbeitskräfte in Deutschland gehalten werden. Durch die Siemens-Entlassungen ist die Kaufkraft in Deutschland nur unwesentlich geschwächt worden (und in Tschechien oder sonstwo gestärkt). Ausserdem sind für Siemens die Kosteneinsparungen immens.


--- Zitat ---Das aber bedeutet, ich als Entscheider lagere meine Produktion ins Ausland aus (vernichte erneut Arbeitsplätze), erwarte aber im Inland die gleiche Binnennachfrage.

--- Ende Zitat ---

Nö. Das erwartet kein Mensch. Schon seit einiger Zeit haben praktisch alle deutschen Großunternehmen im Ausland größere Umsatzsteigerungen als im Inland. Der deutsche Markt verliert für sie zunehmend an Bedeutung.


--- Zitat ---Entschuldigung aber dieses Verhalten kommt mir ziemlich dumm vor. Das funktioniert dann wenn nur einzelne (egal ob Unternehmen oder Einzelpersonen) sich so verhalten. Tun das alle geht eine Volkswirtschaft den Bach runter. Und da ist es vollkommen egal ob Kommunistisch, Sozial oder Kapitalistisch.

--- Ende Zitat ---
Andere Volkswirtschaften wie z.B. die skandinavischen Länder, die USA, Frankreich, Japan, etc. haben alle stark mit dem Kostendruck von den neuen Entdeckern der Marktwirtschaft (Osteuropa, China, Indien, Chile -> In Deutschland mehr im Äpfel business, z.T. Brasilien) zu kämpfen. Da wird überall Produktion verlagert. Und das ist auch sozial. Weil nämlich in diesen Ländern auch Menschen leben, die keinen Bock haben sich ewig von den tollen Deutschen mitleidig den Kopf getätschelt zu bekommen.

Nur manche Länder kommen damit viel besser klar als wir. Und da müssen wir ansetzen. Wir können nicht verbieten, dass Unternehmer Polen, Tschechen oder Ungarn in Lohn und Brot bringen.

Axel

flaite:

--- Zitat von: Thomas Schulte am 20.09.05 - 15:37:06 ---
Und falls das niemand hier aufgefallen ist. Mit einem Bekenntnis zur Verantwortung innerhalb einer Sozialgemeinschaft stärken sich Unternehmen die auch lokal agieren automatisch auch selbst. Denn ein Binnenmarkt der Leistungen eines Unternehmens abruft, weil er sich das leisten kann sorgt dafür, das ein Unternehmen wirtschftlich gesund bleibt. Eine Volkswirtschaft die nicht auch ein gesundes Maß an Binnennachfrage hat ist bei den kleinsten Schwankungen des Weltmarktes tödlich verwundbar.

--- Ende Zitat ---
Na wenn die das alle nicht verstehen. Gründ du doch einfach ein Unternehmen, dass nach diesen überlegenen Grundsätzen agiert.

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