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[patriotic] Hartz 4 im aktuellen Spiegel
Marinero Atlántico:
--- Zitat von: Gandhi am 25.05.05 - 14:39:03 ---
--- Zitat ---Dieses einst von true intelectuals wie Konrad Adenauer errichtete politische System leider nicht.
--- Ende Zitat ---
ernstgemeint? Konrad Adenauer?
Meines Wissens beruhen viele heutige Probleme bereits auf dessen Entscheidungen (Umlagenfinanzierte Rente etc.)
--- Ende Zitat ---
Die Umlagenfinanzierte Rente geht meines Wissens auf Kaiser Wilhelm II zurück. Die meisten Länder haben eine Umlagenfinanzierte Rente. Chile hat es z.B. nur noch sehr bedingt. Deren AFP-Fond Modell ist aber theoretisch besser als praktisch.
Es kann natürlich immer sein, dass sich nach 45 Jahren eine bestimmte Maßnahme als falsch herausstellt. Damals hat die Implementierung von Maßnahmen einfach wesentlich besser funktioniert.
Sympathisiere zwar mit liberalen Konzepten. Auf der anderen Seite werden die mir hier immer als Patent-Rezepte verkauft. Mir geht es darum, dass wenn man für eine Reform Ziele formuliert, dann sollte man in den Ergebnissen nicht plötzlich feststellen, dass man in die ganz entgegengesetzte Richtung geschossen hat. Die kleinteilige Arbeit. Nicht die großen Sprüche von wegen Liberalismus, Soziale Gerechtigkeit oder was auch immer.
In meinem Lieblingsbeispiel eines irgendwie sehr akzeptierten Reformprozesses (Chile) waren zwischen 1973-82 die sogenannten "Chicago Boys" dran (Schüler von Milton Friedman aus U. of Chicago). Chile wurde dann aber 82 genauso von der Schuldenkrise erfaßt wie sämtliche Nachbarstaaten, obwohl die Politik eigentlich sehr entgegengesetzt war.
Dann kamen aber Pragmatiker und Umsetzungsprofis wie Hernán Büchi ans Ruder im Wirtschaftsministerium. Und die hatten dann nachhaltigen Erfolg. Sie kümmerten sich stark um die Details und Lücken.
Vielleicht ist das unsere gegenwärtige Krankheit. Fehlender Respekt vor den Komplexitäten der Umsetzung.
Jeder seinen eigenen Feldherrnhügel, von dem er imaginäre Truppenteile aus befehlen kann.
Jedenfalls ist das nicht normal.
pd:
Ich glaube der Vater des Gedankens war der Kamerad Bismarck. Wobei die Idee ja nicht schlecht ist, aber sie hätte bereits mit (teilweise) vollen Kassen starten sollen - wie auch immer.
Dann wäre es evtl. besser gelaufen.
Aktuell könnte man vielleicht die Rentenkasse und die Beamtenpensionskassen zusammenwerfen, ich weis aber nicht ob da dann zwei schwarze Löcher aufeinanderprallen ;-)
Gruß, Patrick
diali:
zu den Startzeiten gab es bestimmt keine vollen Kassen, deshalb wird man auf die Generationenfinanzierung gekommen sein. Aber eine Bevölkerungspyramide ändert sich nun mal durch die verschiedensten Ereignisse und es hätte den "Experten" eigentlich klar sein müssen, dass die Finanzierung irgendwann mal auf wackligen Beinen steht.
In den letzten 30 - 40 - 50 Jahren war genug Zeit die Finanzierung auf eine Finanzierung auf Risikoversicherungsbasis umzustellen - jeder versichert sein Risiko, so wie bei jeder Erlebensfall-, Todesfall- oder Rentenversicherung.
Damit wäre dann die Renten, Pensionen usw. unabhängig von der Alters- und Einkommensstruktur der Bevölkerung.
Semeaphoros:
Naja, so sicher ist das nun auch wieder nicht. Der Schlendrian bei den CH-Pensionskassen (Risikofinanzierung) zeigt, dass es auch da schief laufen kann.
Gandhi:
Zum Thema Renten: In den Zeiten der Regierung Adenauer gab es die Debatte zwischen Umlagenfinanzierung (Adenauer) und teilweiser Rücklagen/Kapitalfinanzierung (Erhard), bei der sich Adenauer durchsetzte. Soviel dazu - wers erfunden hat ist mir egal - Adenauer ist jedenfalls der 'Verursacher' in diesem Staat. Zitat: Kinder werden sowieso geboren....
--- Zitat ---Vielleicht ist das unsere gegenwärtige Krankheit. Fehlender Respekt vor den Komplexitäten der Umsetzung.
Jeder seinen eigenen Feldherrnhügel, von dem er imaginäre Truppenteile aus befehlen kann.
--- Ende Zitat ---
Das sehe ich ähnlich: Es hört sich vieles in der Theorie umsetzbarer an, als es in der Praxis dann ist. Also bin ich der Meinung man sollte die Theorie einfacher halten um sie dann in der Praxis umsetzen zu können. Und: Schlupflöcher existieren - egal wie gut man versucht sie zu schließen (im Falle Deutschlands mit 80% aller weltweit herausgegebenen Steuergesetzte/Richtlinien). Vielleicht sollte man deren Existenz einfach akzeptieren und seine Energien nützlicheren Tätigkeiten zuwenden, als die einen zu schließen um damit die anderen zu öffnen.
Ich sehe das so: Die interessantesten Spiele sind immer die mit den überschaubarsten Regeln. Kaum jemand mag Spiele mit mehreren tausend Seiten Anleitung und Regeln. Das Leben ist zwar kein Spiel - macht aber glaube ich doch mehr Spaß, wenn nicht jeder Pups vorher genehmigt werden muss. Weniger Regeln bringen mehr Dynamik.
Obwohl: Man könnte ja mal die 'Monopoly' Regeln neu schreiben....
Du erhältst 2000 $ Miete.
Davon gehen 1200 an den Staat
Du erhältst eine blabla Subvention in Höhe von 100$ (Deine anderen beiden Mitspieler ebenfalls) und 900$ versickern zum Teil in der Verwaltung und werden zum anderen vom imaginären Hyänenmitspieler kassiert (der am Ende sowieso immer gewinnt).
Am Ende jeder Runde musst Du für alle 4 Organisationen, in denen Du Zwangsmitglied bist noch statistische Auswertungen von wenigstens 4 Seiten schreiben.
Ich glaube so was nimmt dann doch den Reiz...
Ich weiß ich weiß, das ist viel zu drastisch und einfach - aber ich finde es macht die derzeitige Situation ein wenig deutlich.
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