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guesswho:
btw: diese "Kauf ich mir auf Pump"-Welle kommt auch noch auf Amiland zu (villeicht auch auf andere...). Da sind noch vieeeele Milliarden vergraben....

Die Zeichen der Zeit zeigen mächtig nach unten, die Laune trotzdem nach oben

Jo

flaite:

--- Zitat von: koehlerbv am 05.12.08 - 17:29:37 ---Sorry Axel, aber das ist mir zu fatalistisch. Ich (und nicht nur ich) habe schon vor mindestens zwei Jahren nur noch kopfschüttelnd vor dem amerikanischen "kauf ich mir auf Pump"-Phänomen gestanden und den unzeitgemässen Schrott, den sie dann als Autos verkaufen

--- Ende Zitat ---
Dieses Phänomen gibt es seit Anfang der 80er. Schon Ende der 80er warnte Paul Krugman vor der geringen Sparquote.


--- Zitat von: koehlerbv am 05.12.08 - 17:29:37 ---und den Riesensummen, die in die Kriege gesteckt wurden (und diese Summen wurden dem realen Wirtschaftskreislauf damit entzogen!) -

--- Ende Zitat ---
war während Golf Krieg I und dem Vietnam Krieg nicht anders.

--- Zitat von: koehlerbv am 05.12.08 - 17:29:37 ---und weltweit kaufen dann angebliche Fachleute in Banken und Versicherungen die dadurch aufgehäuften Risiken. Bitte - das ist doch nur noch krank und für mich ein Zeichen dessen, was sich in den letzten Jahrzehnten *moralisch* durchgesetzt hat: Wir kassieren dieses Jahr, und dann kommt ein weiteres Jahr.

--- Ende Zitat ---
Solche Krisen gabs im 19. Jhdt sehr häufig.

--- Zitat von: koehlerbv am 05.12.08 - 17:29:37 ---Die Entscheidungen liegen heute viel zu viel bei "Managern", die schlimmstenfalls (nach Abkassieren) gefeuert werden können. Politiker, die schlimmstenfalls nach ihrer Abwahl nur ausgesorgt haben (nein, ich plädiere nicht dafür, Schuldige am nächsten Laternenpfahl aufzuhängen!!!).

--- Ende Zitat ---
Ist mir zu pauschal. Auf der anderen Seite gibts in meinen konkreten Projekten eine verstärkte Beachtung von Agilen Prinzipien, in denen ICH mehr Mitsprache hab.

--- Zitat von: koehlerbv am 05.12.08 - 17:29:37 ---Unser System ist in den letzten zwei, drei Jahrzehnten sehr, sehr schwer erkrankt. Jetzt muss es in einer Rosskur genesen. Mich stinkt nur an, dass die Falschen dafür bezahlen müssen.

--- Ende Zitat ---
Sozialismus ist kranker, obwohl ein paar Änderungen notwendig sind. Sowas kann aber in komplexen dynamischen Systemen immer passieren.

--- Zitat von: koehlerbv am 05.12.08 - 17:29:37 ---Viele Ratiopharm-Mitarbeiter werden sich aber wohl fragen müssen: Wann komme ich überhaupt das nächste Mal bis zum Mittelmeer?

--- Ende Zitat ---
Der Versuch ein wirklich "gerechtes" System zu schaffen endet regelmäßig in einem noch viel größeren Chaos.


--- Zitat von: koehlerbv am 05.12.08 - 17:29:37 ---Mein Augenmerk richte ich derzeit auf die Unternehmer (und dieses Wort *Unternehmer* gehört endlich wieder geehrt und "Manager" zum Erfüllungsgehilfen degradiert!), die klug und verantwortungsvoll in dieser agieren, ebenso gilt dies für entsprechende Wissenschaftler und Politiker. Nur ist die Auswahl dieser Leute über die Jahre arg dünn geworden.

--- Ende Zitat ---
Früher war alles besser...

koehlerbv:
Axel, mit dem unseligen Vietnam-Krieg oder dem 19. Jahrhundert bringst Du hier weder eine Erklärung noch eine Entschuldigung noch einen Verbesserungsvorschlag ein. Deine durchgesetzten agilen Prinzipien helfen hier auch nur bedingt. Und von Sozialismus oder angestrebten Diktaturen redet hier niemand - hier solltest Du vorsichtiger argumentieren.

Bernhard

flaite:
Bernhard,

es gibt keine pauschalen Lösungen.
Die Strategie der Neocons die arabische Welt militärisch zu demokratisieren ist gescheitert. Das war sehr teuer und von Anfang an eine dumme Idee. Die von mir insgesamt sehr bewunderten Vereinigten Staaten von Amerika haben aber schon vorher schon dumme Kriege geführt. Niemand ist perfekt.
Die gründete übrigens auf der Überlegung, dass in den letzten Jahrzehnten in der arabischen Welt etwas g.r.u.n.d.s.ä.t.z.l.i.c.h. falsch gelaufen ist und man das mal so eben lösen könnte. Ein bischen wie du.

In einer dezentralisiert organisierten Wirtschaftsordnung wirds immer Krisen geben. Entweder wir leben damit und versuchen so gut wie möglich die Krisen zu verhindern und durch die Krisen zu gehen, oder wir starten den 120sten Versuch einer zentralisierten Wirtschaftsordnung.
In einer dezentralisierten Wirtschaftsordnung interessieren theoretisch perfekte Lösungen nicht. Die existieren einfach nicht. Wir können nur versuchen, bestimmte Regeln des Systems an sich ändernde Rahmenbedingungen anzupassen. Ich bin nicht libertär und für eine aktive Änderung bestimmter Spielregeln (z.B. dem Schweizer Bankengeheimnis und sowieso eine nachhaltige Regulierung der globalen Finanzmärkte).

Was bringen denn bitte so Aussagen wie

--- Zitat ---Die Entscheidungen liegen heute viel zu viel bei "Managern"

--- Ende Zitat ---
Wo solls denn sonst liegen? Beim Volk? Und irgendwer muß dann das Volk repräsentieren. Genau da fängts nämlich an.
Natürlich machen Manager Fehler.
Natürlich benutzen viele Manager erlernbare Techniken, die sie als fehlerlos erscheinen lassen. Nur kann man sich dagegen dezentral wehren. Und da halten die Leute dann die Klappe. Ja, ja. Das ist immer endschuldbar. Ein Leviathan muß her, der den bösen Managern kräftig auf die Finger klopft. Da bleibt man selber nett. Wie praktisch.

Ich hab die agilen Prinzipien nicht durchgesetzt. Ich arbeite in Projekten, die unter agil-Flagge laufen. Das setzt sich nämlich in der bösen Welt da draussen immer mehr durch.


--- Zitat ---helfen hier auch nur bedingt

--- Ende Zitat ---
Es gibt auf der Ebene überhaupt nichts, das unbedingt hilft.
Der Versuch ein perfektes System zu schaffen gelingt in der Kunst oder (für eine fest umrissende Aufgabe) in der IT. Nicht unbedingt mir, aber es ist theoretisch möglich. In der Politik führt es in zwangsläufig in einen Unterdrückungsstaat. Diese Haltung ist sicher nicht fatalistisch. Wir können Dinge ändern. Aber bitte konkret und nicht global-moralisch. Ich hab oben ein paar Verbesserungsvorschläge genannt.

Ich masse mir keine moralischen Grundsatzurteile über die letzten Jahrzehnte an. Ich find das reichlich undifferenziert. Und wenn man der Meinung ist, dass die Welt in den letzten Jahrzehnten moralisch verkommen ist, interpretier ich das als einen Willen zu einem radikalen Wandel. Den möchte ich nicht.

koehlerbv:
Axel, Du missverstehst mich. Ich will keinen Umsturz, es gibt noch genug sehr, sehr kluge und ehrliche Unternehmer (!) und Politiker (sonst müsste man ja alle Hoffnung verlieren).

In den letzten Jahren haben wir uns aber zu weit von der sozialen Marktwirtschaft entfernt, zum Massstab des Handelns vieler Verantwortlicher zählte nur der kurze Erfolg (Aktienkurs zum Jahresende, das Schielen auf die nächste Wahl usw. usf.). Und hier sehe ich Bedarf zum Handeln: Zurück zu nachhaltigerem Wirtschaften, Verpflichtung zum Gemeinwohl und langfristige Strategien.

Was (als Musterbeispiele) an der Wallstreet (wenn ich diese mal als Aufhänger für die ganze Finanzbranche verallgemeinernd nennen darf) passiert ist oder wie eine mit Verlaub idiotische Firmenpolitik die amerikanische Automobilindustrie ins Verderben gestürzt hat, das darf so nicht wieder passieren. Hier müssen als Erkenntnis neue Regeln eingezogen werden und Verantwortliche benannt und bestraft werden (endlich Einführung einer wirklichen Managerhaftung - als Autofahrer kann ich "hinterher" ja auch nicht sagen, "ich dachte, die Kurve schaffe ich noch mit 100" oder "ich wahr der festen Überzeugung, mit 1,1 Promüll noch nach Hause fahren zu können".

Und wenn es möglich ist, dass in den USA jemand seinen Hals nicht voll genug bekommen kann, in Deutschland jemand sehenden Auges dieses Spielchen mitspielt und deswegen Oma Herta in Castrop-Rauxel ihr ganzes Erspartes verliert, dann stimmt da etwas nicht.

Bernhard

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