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wirkliche Steuerreform ? Eure Meinung gefragt...

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flaite:
Der Anteil des Geldes, dass in einem Sparstrumpf steckt (also nicht ins Kreditsystem gebracht wird, um dort Zinsen zu erhalten), ist sehr gering und ist ständig gesunken.
Nur fliesst eben ein großer Teil dieses Kapitals heute ins Ausland, da dort offenbar höhere Gewinne (= mehr Zinsen) erzielt werden als hierzulande.
Nun kann man sagen: Wir besteuern das im Ausland investierte Geld.
Das wiederspricht aber wiederum unserem System der freien Marktwirtschaft.
Dieses System ist viel einfacher als ein System, in dem eine Autorität in Form eines Staates befindet, was nun nützlich und was nicht nützlich ist.
Die Entscheidung, wofür Geld eingesetzt wird, wird dort nicht von oben bestimmt, sondern liegt in der Macht des Einzelnen.
Wenn jetzt deutsche Beamten autoritär über die Nützlichkeit von investierten Geld befinden, dann ist das komplizierter als wenn jeder einzelne selbst bestimmt, wo er sein Geld anlegt. Offene Gesellschaften funktionieren unter der Prämisse, dass die Summe der Einzelentscheidungen klüger sind als ein allwissender Staat.
Viele Entwicklungs- und Schwellenländer hatten in den 50er und v.a. 60er Jahren des letzten Jahrhunderts komplizierte Regeln erstellt, die über die "Nützlichkeit" des investierten Geldes befanden. Das hat nicht funktioniert. Länder wie Chile, Brasilien, Indien und in weiten Bereichen China haben sich von solchen Regelsystemen befreit und *danach* ging es aufwärts.

Ausserdem: Wenn wir türstehermässig dem deutschen Kapital sagen, "Du kommst hier nicht raus", dann sagt das Ausland zu deutschen Exporten: "Du kommst hier nicht rein".

Gruß Axel

dh-paule:
naja, und was ist dann mit den Beamten die bestimmen wieviel ich von meinem Geld abgeben muss ???

Was ist mit einem Staat der entscheidet das 15-55% des Einkommes "abgegeben" werden müssen ??? Ist es da nicht viel gerechter selbst zu bestimmen wofür ich mein Geld ausgebe, wohlwissend welche Steuern je nach Ausgabe fällig werden.

Nehmen wir den kleinen Mann, zumindest den der einigermassen verdient. Dem werden schon mal pauschal 30% seines Einkommens abgeknöpft, obwohl er z.B. gerne Handwerker beschäftigen würde die ihm dies&das richten. Von geschmälerten Einkommen ist es schwierig. Hätte er brutto=netto und müsste für Arbeitsleistungen keine Steuern zahlen wäre es einfacher einen zweiten zu beschäftigen.

Weg von der EinkommensBesteuerung, hin zur AusgabenBesteuerung. 

flaite:
Naja. Irgendwoher muss man das Geld ja hernehmen.
"Einfachheit" kann sehr leicht zu einem Schlagwort werden.
Jede Programmierplattform, egal jetzt ob Notes, Springframework, EJB, .NET, Python erzählt mir, dass ihre Lösung die "einfachste" ist. Jeder hat unvollständige Information und man merkt erst im Projekt, wo die Probleme liegen.
- In den Java Projekten von meinem Hauptkunden ist "Das ist von ****** alles vollständig modelliert worden" zu einer Art Running Joke geworden. Das heisst nicht, dass ******* schlechte Arbeit geleistet hätte. Vieles ist sehr gut. Aber es gibt eben völlig natürlich immer mehr oder weniger große Lücken und Fehler.
- Die Leute von '!!!Help!!!' haben ja zur Zeit gewisse Schwierigkeiten mit @SetTargetFrame. Meine das überhaupt nicht zynisch und finde die Art wie damit umgegangen wird echt vorbildlich (nämlich den Dingen wirklich auf den Grund zu gehen).
- Ich fand die vorgefertigten cache-Lösungen im J2EE Bereich immer echt übertrieben und unvollständig, bis ich versucht habe einen cache selber zu bauen und dann festgestellt habe, dass es Gründe gibt, warum die vorhandenen caches so sind wie sie sind. Bevor ich die Komplexität des Themas voll überblickt habe, habe ich aufgrund meiner unvollständigen Information dämliche Entscheidungen getroffen und damit viel Zeit vergeudet.

Ich fände eine Entwicklung hin zu skandinavischen Verhältnissen am besten. Dh:
- tendentiell höhere Steuern auf Konsum als hier  (also wie du).
- relativ starke progressive Komponente in der Einkommenssteuer, d.h. eher hohe Steuersätze für Spitzenverdiener und Besserverdiener. Ganz einfach, weil die tendentiell stärker von der Globalisierung profitieren, während Niedrigverdiener tendentiell eher verlieren.
- kompromissloses Abholzen des Subventionsdschungels. Dh der Staat befindet überhaupt nicht mehr über die "Nützlichkeit" von Investitionen, da das sowieso immer von irgendwelchen Schlaumeiern ausgenutzt wird.
- Für Niedrigverdienende zahlt Staat Teil des Einkommens (sonst gibts nämlich für einen nicht kleinen Teil der Leute hier einfach keinen Job).
- bessere Unterstützung für Familien
- drastische Maßnahmen gegen die Verschwendung von öffentlichen Mitteln v.a. auch durch Gemeinden.
- Dynamisierung des Arbeitsmarkts durch Abbau von Kündingungsschutz, etc.
- Sehr geringe Besteuerung von Unternehmen.
- Stärkere Besteuerungen von Erbschaften.

Gruß Axel

Gandhi:
Nun, Deine Idee ist zum einen ganz interessant, vor allem aber EINFACH.
Ich glaube, man könnte in Deutschland schon viel bewegen, wenn man die Steuererklärung VIEL einfacher gestalten würde. Dann ist es vielleicht weniger gerecht - aber na und? Gerechtigkeit über Steuern ist nicht herzustellen. Definitiv ist sie gar nicht erreichbar, allein schon weil jeder einen anderen Begriff hierzu hat.

80% der weltweiten Publikationen zum Thema Steuerrecht kommen angeblich aus Deutschland. Mehr muss man dazu eigentlich nicht sagen. Wer das nicht glaubt rechne einfach mal die Gewerbesteuer für einen 3 Personenbetrieb aus...
Als Freiberufler stand ich jedenfalls immer sehr wacklig beim Unterschreiben der Steuererklärung - da stehen ja doch ein paar Jahre Haft auf dem Spiel - und ob man alles gesetzmäßig gemacht hat weiß man als nicht Steuerexperte sowieso nie. Und das ist eigentlich ein Skandal.

Eine Steuer auf 'totes Kapital' ist allerdings in der Praxis recht schwer durchzusetzen. Kommt dann einmal im Jahr die Steuerfahndung und entfernt 30% des dort gefundenen Geldes?

TMC:

--- Zitat von: Gandhi am 10.07.05 - 22:59:06 ---Ich glaube, man könnte in Deutschland schon viel bewegen, wenn man die Steuererklärung VIEL einfacher gestalten würde.
--- Ende Zitat ---

Ich glaube dann käme ein "undokumentierter Bug" zu Tage: plötzlich würden viel mehr Leute eine Steuererklärung abgeben und so Geld fordern, das ihnen auch zusteht, aber womit keiner rechnet. D.h. das müsste unbedingt mit einkalkuliert werden, nach meinen bisherigen Erfahrungen könnte das schlichtweg vergessen werden und die Regierung steht dann mal wieder ratlos da (also wie dieser Smiley :-:) und will deswegen die MwSt erhöhen, da "unvorhergesehene Kosten" dazukamen.

Zu Vereinfachung von Dingen:
Z.B. habe ich mir mal gewünscht, dass es keine Kfz-Steuer mehr gibt, stattdessen wird diese voll auf den Sprit umgeschlagen. D.h. wer viel fährt oder oder mehr verbraucht, der zahlt auch mehr.
Würde aber massiven Nachteil bei grenznahen Tankstellen bedeuten. Noch mehr wie heute schon. Weiter würde dadurch auch ein Umweltsünder verschont werden, auch wenn er trotzdem nur 5 Liter verbraucht (z.B. Golf II Diesel).

Soweit meine erste Meinung dazu  ;)

Matthias

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