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wirkliche Steuerreform ? Eure Meinung gefragt...
dh-paule:
Hallo zusammen,
vielleicht ist es ja auch naiv was mir heute so in den Sinn kam, aber eventuell kann man daraus auch was machen....
Eine wirkliche Reform der Steuern! Und zwar so das sämtliche Einnahmen steuerfrei sind, die Ausgaben hingegen werden besteuert.
Das könnte so aussehen:
Das Gehalt wird brutto = netto ausgezahlt, keine Lohnsteuer, keine Lohnnebenkosten für den AG.
Steuern zahlt man erst beim Ausgeben des Geldes.
a.) Steuern für Waren: 20%
b.) Steuern für Dienstleistungen: 0%
c.) Steuern für geparktes Geld: 30%
Die Prozentzahlen sind jetzt mal fiktiv und sollen nur die Grundidee verdeutlichen.
Man bekommt sein Geld brutto=netto und hat mehr in der Tasche. Damit kann man mehr einkaufen = mehr Umsatz = mehr Steuereinahmen. "Nebenbei" sorgt ein höherer Verbrauch für mehr Produktion = mehr Arbeit... Das Geld ist in Bewegung und arbeitet!
Kauft man keine Waren, sondern Dienstleistungen so sind diese steuerfrei. Das heisst man kann die Putzfrau oder den Handwerker netto bezahlen, da er ja wiederum durch höhere Verbrauchssteuern sein Geld in den Staatsäckel zahlt. Auch hier wieder der Effekt: Geld ist in Bewegung und es wird für Beschäftigung gesorgt. Für Schwarzarbeit gibt es keinen Grund mehr, da ja direkt keine Steuern anfallen.
Gibt man (über bestimmte Freibeträge hinaus) kein Geld aus, so zahlt man den höchsten Steuersatz für das "parkende" nicht arbeitende Geld auf dem Konto (oder unter dem Kopfkissen)...
Was meint Ihr ?
Die Idee braucht natürlich noch einwenig Feinschliff, aber bevor ich an der Idee weiter herumfeile hätte ich gerne noch euren Rat...
flaite:
völlig neutral intendierte Antwort (wobei natürlich nichts neutral sein kann).
"Geparktes Geld", d.h. Ersparnisse sind das Geld, womit Investitionen durchgeführt werden.
Die Unternehmer leihen sich dieses Geld, um in T0 Maschinen und Zeugs zu kaufen, um erst einmal einen Arbeitsplatz einzurichten. Durch das daraus erzielte Einkommen armotisiert sich die Investition der Maschine im Zeitraum T0...Tn.
Auf diesem Planeten gilt:
I == S (sehr wichtige, von Marx bis Milton Friedman völlig unstrittige, einfache und weitgehend unbekannte Formel)
D.h. die Menge der Investitionen für Produktion in der Zukunft ist gleich den Ersparnissen.
Ist auch logisch, wenn man kurz darüber nachdenkt.
Im Grunde genommen sind Ersparnisse Konsum in der Zukunft (intertemporaler Konsum). Es werden heute Mittel gespart. Dh. diese Mittel fliessen nicht in die unmittelbare Befriedigung der Bedürfnisse.
Damit sind sie frei, um Maschinen für die Zukunft zu kaufen, damit man in tn noch mehr konsumieren kann.
Ersparnisse können also nicht als passives, geparktes Geld betrachtet werden. Vielmehr fliesst es über den Kreditmarkt wieder in die Wirtschaft zurück und dadurch werden eben dann Investitionen durchgeführt.
Eine hohe Sparquote ist also nicht etwas grundsätzlich schlechtes.
(jetzt kommt das übliche offene Volkswirtschaften-Argument)
In offenen Volkswirtschaften, d.h. ohne Kapitalverkehrskontrollen und so ein Zeug (was nach empirischer Erfahrung nicht funktioniert), werden Sparer dann ihr Geld im Ausland anlegen. D.h. das fliesst dann ausländischen Banken zu. Das ist a) nicht gut für die deutsche Finanzwirtschaft und b) nicht unbedingt gut für Investitionen in Deutschland.
Der Verteilungseffekt (es wird weitgehend eine Steuer für begüterte Leute sein) wird dadurch weggewischt, dass die Sparer eben ihr Geld an der Steuer vorbei ins Ausland schaffen. Wenn wir den Abfluss verbieten, wird das Ausland den eigenen Abfluß auch verbieten.
Mehr Konsum führt ausserdem zu einem Anstieg der Importe. Dh. wenn insgesamt mehr Geld ausgegeben wird, werden auch mehr koreanische Fernseher, chilenischer Kupfer, französischer Wein, indische Software, chinesische HighTech Produkte und und und gekauft. Die freiwerdenden Mittel aus der steuerlichen Entlastung des Faktors Arbeit fliessen also zum Teil in das Ausland. Damit werden die positiven Multiplikatoreffekte z.T. konterkariert. Dies wird noch dadurch verschärft, dass bei plötzlich ansteigender Nachfrage, die Unternehmer höhere Preise verlangen werden (= Inflation). Die Inflation frisst dann für den Geldbeutel der Konsumenten einen Teil der zusätzlichen Mittel wg. Steuererleichterungen weg.
Sparer kaufen ja Finanztitel, dh. Aktien, Staatsanleihen und so ein Zeug. Damit gehören denen quasi die Firmen. Wenn hier nun die Sparquote sehr gering ist, holen wir uns die für die Investitionen benötigten Ersparnisse aus dem Ausland. Damit gehören dem Ausland aber unsere Firmen. Niedrige Ersparnisse sind seit den 80er Jahren ein Ungleichgewicht der US Volkswirtschaft, dh Amerika gehört immer mehr den Chinesen und Japanern . Also quasi Imperialismus umgekehrt.
Dies nur ein paar Ideen angerissen, um darauf hinzuweisen, dass es nicht so einfach ist.
Die Besteuerung von Warenkäufen ist völlig einkommensunabhängig und trifft somit ärmere Leute relativ stärker als reichere Leute.
Wie gesagt. Das Problem von deinem Vorschlag ist, dass du übersiehst, dass Ersparnisse über den Kreditmarkt wieder in die Wirtschaftskreislauf zurückfliessen. Das Geld liegt eben nicht auf dem Sparkonto, sondern wird bei der Sparkasse von anderen für Kredite für meistens Investitionen nachgefragt. Das Problem sind nicht Ersparnisse an sich, sondern dass plötzlich stark ansteigende Ersparnisse (was ja auf Grund der Renten/demographischen Entwiklung sogar noch rational ist) zu Ungleichgewichten auf den Märkten führt.
Gruß Axel
Semeaphoros:
Mehrwertsteuer (oder fachlicher ausgedrückt indirekte Steuer) pur, angereichert durch eine Reichtumssteuer. Warum es nicht funktioniert, dafür hat Axel eben die wichtigsten Faktoren schon aufgezählt. Historisch betrachtet bekommt man den Eindruck, dass Wirtschaft und Staat dann am besten funktionieren, wenn sich direkte Steuern (Einkommen und Vermögen) und indirekte Steuern (alle Konsumsteuern) ungefähr die Waage halten. Da jede Steuer in irgend einer Weise soziale Ungerechtichkeiten enthält, halten sich so auch die Ungerechtigkeiten ein wenig die Waage.
flaite:
Wer sich ein bischen für ökonomische Themen interessiert, kann ich bestimmte Bücher von Prof. Paul Krugman empfehlen.
Neben gehobenen Lehrbüchern für Studenten und schwerverdaulichen Studien schreibt dieser Mann nämlich auch für die Allgemeinheit gut lesbare Bücher.
Z.B. "The age of diminished expectations" oder wohl auch das neuere "The Return of Depression Economics". Der Mann schreibt diese Bücher nicht trocken aber fundiert.
Leider beschweren sich unsere eigenen Ökonomen zwar dauernd über die Naivität der Bev. bzgl. ökonomischen Themen, schreiben aber auf der anderen Seite auch keine allgemeinverständlichen Bücher, sondern treten allenfalls in aufgeregten Talk Shows auf.
Krugman ist in keiner Weise extrem. Er trat deutlich als fundierter Kritiker vieler Maßnahmen der Bush-Regierung auf.
Axel
dh-paule:
mmmh "geparktes Geld" vielleicht habe ich es nicht klar genug ausgedrückt:
Damit meine ich jenes Geld das sich "unter dem Kopfkissen" befindet und nirgends arbeitet. Sobald man Geld für Investitionen ausgibt ist natürlich ein anderer Steuersatz anzusetzen.
Die Idee ist ja das Geld entsprechend der "Nützlichkeit" der Ausgaben zu besteuern, je höher der allgemeine Nutzen, desto geringer die Steuer. Zum Beispiel kann ja auch Geld das ins Ausland fliesst besonders hoch besteuert werden, wogegen wieder die Ausgaben für die Arbeit der Angestellten steuerfrei sind.
Ziel sollte es sein hohe Einkommen wieder in den Kreislauf zu bringen, und auch niedrigen Einkommen den Konsum zu ermöglichen...
Achja, vielleicht ist es wirklich naiv, aber wie sagte schon mein Lieblingsschreiber von Patenten: "Keep it simple" (G.Fischer, Dübelerfinder) Alle achso komplizierten und durchgerechneten Reformen und Studien haben doch nix gebracht, vielleicht sollte mal was einfaches, verständliches und nachvollziehbares her ?
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