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wirkliche Steuerreform ? Eure Meinung gefragt...

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maxg:

--- Zitat von: dh-paule am 10.07.05 - 00:18:43 ---Eine wirkliche Reform der Steuern! Und zwar so das sämtliche Einnahmen steuerfrei sind, die Ausgaben hingegen werden besteuert.

--- Ende Zitat ---

Du wohnst nicht zufällig in der Nähe einer Grenze?

Wenn Politiker trotz der weiterhin vorhanden indirekten Steuern über eine Mehrwertsteuer an der 20% Marke plädieren, was meinst wie hoch dann die Steuern in deinem Modell sein müssten?

Ich denke es geht nur über Subventionskürzungen. Es kann doch z.B. nicht sein, dass man den Bau eines Hauses irgendwo in der Pampa gefördert kriegt, dafür Innenstädte "ausbluten" (bis auf München und ein paar andere vielleicht) und der Staat den Leuten dann auch noch Geld dafür zahlt, dass sie mit dem Auto -alleine- zur Arbeit fahren, während daneben ein fast leerer Zug durch die gegend zuckelt.
Oder das Beispiel, welches vorhin bei Christiansen kam, ein Handwerker muss 42% abführen während eine GmbH bei gleichen Leistungen und gleichem Endpreis weniger als die Hälfte dessen abführen muss. Ganz Radikal gesagt: wir brauchen Einheitssteuern ABER sowohl bei den Direkten als auch bei den Indirekten.

koehlerbv:
Ich glaube, wir müssen bei diesem Thema verdammt aufpassen, nicht auf sehr billiges Stammtisch-Niveau abzugleiten. Meines Erachtens sind solche Themen in entsprechenden Foren, die sich nur der Diskussion solcher Themen widmen, viel besser aufgehoben. Was aber nicht heissen will, dass ich mir AtNotes als "politikfreies Forum" wünschen würde.

Ein einfacheres (!) Steuersystem ist sicherlich sehr wünschenswert. Bevor man aber überhaupt darüber diskutiert, muss geklärt werden, welches Gesellschaftssystem wir uns wünschen. An der Solidargemeinschaft würde ich nicht rütteln wollen !

Das bedeutet dann: Wir brauchen eine Summe X, um alle gemeinsam bestimmte Aufgaben zu erfüllen: Gesundheit, Bildung, Alterssicherung, Infrastruktur, Sicherheit, ... - und Nachwuchs ... Und dann erst müsste man schauen, wie man das Geld dafür möglichst gerecht beschafft.

Axel J. und Semeaphoros haben schon auf die vorsichtig ausgleichende  Verteilung von direkten und indirekten Steuern hingewiesen. Gerade bei der "Mehrwert"steuer dürfen üble Nebeneffekte nicht vergessen werden:
- Eine höhere Umsatzsteuer senkt die Kaufkraft.
- 20% dürften bei einer Konzentration auf diese Einnahmequelle niemals ausreichen. Die Skandinavier haben mit 25% diese Grenze sicherlich bereits ausgelotet.
- Ein kleiner Hinweis: Man rechne einmal aus, wieviel pro Kind bei einer Mehrwertsteuererhöhung an Mehrbelastung auf die Familien zukommt, bis die kleinen Erdenbürger, die später einmal unsere Rente aufbringen müssen, selber Geld verdienen. Jede Vereinfachung wird so schon wieder aufgeweicht: Familien müssten auf andere Weise wieder entlastet werden.

Matthias hatte das Thema Auto angeschnitten. Die Kfz-Steuer, die sowieso normalerweise sehr, sehr gering ist (im Vergleich zu vielen anderen Dingen), könnte man sicherlich einfachst auf den Spritpreis umlegen. Können wir aber nicht machen, da dann auch Transitreisende bezahlen müssten. Ergo die Strassenmaut einführen - daran wird sowieso nichts vorbeiführen. Nächstes Problem: Deutschland lenkt diese Einnahmen zum Grossteil in Ressorts um, die mit der Mobilität nichts zu tun haben. Und genau sowas muss endlich aufhören: "Rasen für die Rente", "Rauchen für den Frieden" sind ja keine dummen Witze, sondern bitterer Sarkasmus auf realer Basis.

Wenn man schon beim Vereinfchen ist: Gesundheit ist ein gesamtgesellschaftliches Anliegen. Leistungsträger sind Krankenhäuser, niedergelassene Ärzte und alle dort Beschäftigten (die dahinterstehende Industrie müssen wir - auch wegen des internationalen Handels wegen - in gewissen Aspekten aussen vor lassen). Warum in aller Welt brauchen wir aber 500 Krankenkassen, die alle dieser einen gesamtgesellschaftlichen Aufgabe zu dienen haben und die gleiche Klientel bezahlen ? Weg damit (vor allem mit den Privatversicherungen) und dem Beispiel anderer Länder folgen: Krankenversicherung ist ebenso wie Alters-, Pflege- und Arbeitslosenabsicherung gesamtgesellschaftliche Aufgabe und kann nicht vernünftig dem Markt unterworfen werden.

Die Frage ist: Wer wagt die ganzen Schnitte, die erforderlich wären ? Ich sehe momentan keine Kraft, der ich das zutrauen würde. Der Leidensdruck ist offensichtlich noch nicht gross genug.

Bernhard

flaite:
Naja. Objektiv gesehen, passt die einseitige Ausrichtung nach Gerechtigkeit nicht zur Tradition der Bundesrepublik Deutschland. Viel wichtiger Bestandteil unseres erfolgreichen Systems bildeten ja das Vertrauen auf Marktwirtschaft, Wettbewerb, Eigentumsrechte, Entscheidungsfreiheit für Individuen und Pluralismus.


--- Zitat von: koehlerbv am 11.07.05 - 00:08:03 ---welches Gesellschaftssystem wir uns wünschen.

--- Ende Zitat ---

Das System, dass den Gründervätern (z.B. Konrad Adenauer und Ludwig Ehrhard) unserer erfolgreichen Republik vorschwebte war: Soziale Marktwirtschaft im Sinne des Ordoliberalismus.   O0
http://bsravensberg.lernnetz.de/smarktwirtschaft.php?group=9
Damit hatte die Bundesrepublik Deutschland großen Erfolg.
Der Staat sorgt zwar für einen gewissen sozialen Ausgleich, grundsätzlich sind aber wirtschaftliche Entscheidungen in der Souveränität der Individuen. Die wissen besser, wie die Mittel eingesetzt werden können als ein autoritärer Staat. Deterministisch festgelegte und zu weit führende "Gerechtigkeitsprinzipien" - hier stimme ich mit Gandhi überein - sind letztlich willkürlich und schränken die Freiheit ein. In gewissen engen Grenzen sorgt der Staat natürlich für eine gewisse Umverteilung.
Zu diesen einfachen Prinzipien der Marktwirtschaft zurückzufinden ist sicher nicht einfach.

Mehrere konkurrierende Krankenkassen sind auch nicht etwas unbedingt schlechtes. Wahlfreiheit für Konsumenten und Konkurrenz waren immer Stützpfeiler für den Erfolg der Bundesrepublik Deutschland. Warum das jetzt alles im Namen der "Gerechtigkeit" zentralistischen und autoritären Vorstellungen geopfert werden muß, ist aus historischer Erfahrung nicht nachzuvollziehen.

Gerechtigkeit als das wichtigste Ziel der Wirtschaftspolitik ist in der Tradition der Bundesrepublik Deutschland eine radikale Vorstellung.
Selbst das Godesberger Programm der SPD von 1959 spricht von

--- Zitat ---Freiheit und Gerechtigkeit bedingen einander.

--- Ende Zitat ---

Ich bitte um emotionale Ruhe und Sachlichkeit.



Gruß Axel

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