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was ist nur los auf dieser Welt
koehlerbv:
Axel, das ist nun aber etwas völlig anderes. Wenn jemand Probleme mit einem politischen System bzw. dessen Ausgestaltung hat, kann man diesen doch nicht auf eine Ebene mit einem Rassisten und Faschisten stellen ...
Bernhard
Marinero Atlántico:
Hi Bernhard,
ich hab nur auf gewisse Paralellitäten im Argumentationsstil hingewiesen.
--- Zitat von: koehlerbv am 08.10.04 - 20:14:55 ---[...]sprich dem Westen hörigen Ländern
[...]
wohl aber noch eines "grösseren Knalls" bedürfen, bis BEI UNS der Druck von unten gross genug wird, damit endlich eine andere Politik (auch in Hinsicht auf die Wirtschaft) Einzug hält.
--- Ende Zitat ---
--- Zitat von: koehlerbv am 08.10.04 - 20:28:20 ---Und bitte dem Kerry gleich mit - und vor allem müssen die US-Amerikaner selbst erstmal aufwachen: Die halten unwahrscheinliche Macht in den Händen (wer finanziert das eigentlich - bei ständig negativen Handels- und Haushaltsdefizit ???) und reflektieren die Welt im Schnitt schlechter als irgendein Beduine in Marokko.
--- Ende Zitat ---
--- Zitat von: koehlerbv am 08.10.04 - 20:43:08 ---Bush IST Erfüllungsgehilfe. Er selbst ist doch nicht mal in der Lage, einen Eimer Wasser auszukippen, der stellt sich lieber hin, und säuft ihn aus.
Auf die wirklichen Strukturen muss man schon achten.
--- Ende Zitat ---
--- Zitat von: koehlerbv am 08.10.04 - 21:32:49 ---Ja, ich halte die (Administration der) U.S.A. momentan für den grössten Hemmschuh einer Fortentwicklung der Menschheit in Richtung Frieden und Freiheit.
--- Ende Zitat ---
Nimmt man das alles ernst, ergibt sich ein verfestigtes Weltbild.
Wenn man sich die Sachen genauer anschaut, merkt man aus meiner Erfahrung, dass dies alles nicht wahr ist.
Gesellschaften entwickeln sich nicht nach irgendwelchen einfachen Gesetzmässigkeiten.
Ich kenn Honeckers Exilland ein bischen näher und wenn man das da ein bischen mitkriegt, merkt man, dass diese hier öfters erwähnten Theorien bzg. Entwicklungs- /Schwellenländern völlig realitätsfern sind.
Auch wenn ich mich freuen würde, wenn die Amerikaner Kerry wählen würden, hätte ich auch nach einer Bush Wahl eine große Sympathie für unseren Nato Partner.
Das Haushaltsdefizit ist über einen 10 Jahreszeitraum gemessen als Anteil des BIP geringer als unseres. Vor allem hab ich bei denen ein größeres Vertrauen, dass die das schnell abbauen (wie unter Clinton geschehen).
Das US-Handelsdefizit existiert seit Anfang der 80er Jahre. Es hat eigentlich 2 Ursachen:
- eine große Offenheit der US-Ökonomie gegenüber Importen. Auch aus politischen Gründen reagierte die USA in den 80ern handelspolitisch weniger aggressiv gegenüber die seit den 80ern immer wieder anschwellenden Wellen asiatischer Exporte als Westeuropa.
- eine geringe gesamtwirtschaftliche Sparquote, was auch als Ausdruck von einem großen Vertrauen der Bev. gegenüber der Zukunft gesehen werden kann.
Finanziert wird beides durch atomare Entscheidungen einzelner Wirtschaftssubjekte im Ausland. Investoren und Kreditoren stellen amerikanischen Unternehmen Kapital zur Verfügung. Diese Entscheidung treffen sie, weil aus ihrer Sicht diese Investitionsoption die für sie günstigste Kombination aus geringen Risiken und hohen Profiten verspricht. Das ist alles völlig normal und Handelsdefizite exportieren Arbeitsplätze vom Debitoren zum Kreditoren.
In den USA findet sehr viel Forschung statt. Ich find Amerikaner sind nachdenklich, flexibel und fleissig. Meilenweit entfernt von diesen ganzen dämlichen Vorurteilen, die sich hier in den letzten Jahren eingeschlichen haben.
Bzgl. des Wirtschaftssystem präferiere ich deutlich die Interaktion von freien Entscheidungen von Wirtschaftssubjekten auf einem Markt gegenüber brilliant geniuses, die andere auffordern endlich aufzuwachen. In aller Regel haben sich nämlich eben diese brilliant geniuses nicht hinreichend mit den Elementen dieses Systems auseinandergesetzt und folgen lieber viertel- bis halbinformierten Verschwörungstheorien.
Gruß Axel
"Las mentiras machacadas días y noche se volvieron verdades"
(dt. "Die Tag und Nacht eingetrichterten Lügen wurden zu Wahrheiten")
Mario Vargas Llosa, La guerra del fin del mundo (dt. "Der Krieg vom Ende der Welt")
(Tolles Buch vor dem Hintergrund von einem tödlichen Zusammentreffens der jungen, fortschrittsgläubigen Brasilianischen Republik mit einer Gruppe von mythisch-religiös denkenden Leuten ihrer (ihnen fremden) Bevölkerung am Ende des 19. Jhdts.)
pd:
Ich les mir jetzt nicht alles durch, obwohl sehr interessante Aspekte enthalten sind.
Bin der Ansicht, die Menschheit im Gesamten gesehen ist nicht in der Lage, friedlich nebeneinander zu leben. Sind halt auch nur eine kleine Ära in der Geschichte der Erde...
Ob jetzt der Bush oder die Religionsfanatiker, früher warens die Nordstaatler und die Südstaatler uswusf oder auch nur Nachbar gegen Nachbar - irgendwo knallts immer...
Gruß, Patrick
Gandhi:
--- Zitat ---In den USA findet sehr viel Forschung statt. Ich find Amerikaner sind nachdenklich, flexibel und fleissig. Meilenweit entfernt von diesen ganzen dämlichen Vorurteilen, die sich hier in den letzten Jahren eingeschlichen haben.
--- Ende Zitat ---
Ich finde: Die Amerikaner sind ein unglaublich heterogenes Volk. (Somit gilt diese 'Kritik' nicht nur AM) Neben den Künstlern, Forschern und Wirtschaftspionieren kann man auch die religiösen Hinterweltler, vollkommen USA-zentrierte Massen etc. nennen.
Die USA besitzen eine echte Elite (Forschung und Entwicklung, Wirtschaft) aber auch eine Masse, deren Unbildung gegenüber dem Rest der Welt man sich als Europäer kaum vorstellen kann.
Somit ist aus meiner Sicht die USA weder ein Hort der Kreuzzügler noch eine Art Atlantis der Wissenschaft und Künste. Es ist beides in den USA enthalten und man kann für die Welt nur hoffen, dass sich die hellen Köpfe gegenüber den Texanern durchsetzen.
Doch auch wenn das geschieht, werden die USA Kyoto nicht ratifizieren oder Israel deutlich stärker unter Druck setzen. So heterogen sind sie dann doch nicht. Und als Europäer, der noch nie in der arabischen Welt war möchte ich hier auch nicht Richter über richtig und falsch spielen, da mir hierzu eingehendere Informationen fehlen. Und über Kyoto will ich mich auch nicht weiter äußern - allein: den CO2 Ausstoß zu regulieren kann nicht die Lösung des Problems sein, da ja bereits zu viel davon unterwegs ist.
Als Physiker habe ich noch eine ganz andere Betrachtung zu vermitteln:
Energie (in Form von Krieg und Terror - oder auch die physikalischen Varianten) werden dann freigesetzt, wenn Unterschiede zu groß sind. Stürme zum Beispiel entstehen, wenn zu warme auf zu kalte Fronten treffen. Ähnlich ist das bei Kriegen. Ein Krieg lohnt sich nur dann, wenn die Unterschiede zwischen den Parteien (physikalisch: Potential) groß genug sind. Im Moment sind dies kulturelle Unterschiede und vor allem finanzielle Unterschiede. Der größte Beitrag zur Befriedung der Welt wäre in meinen Augen den Süden zu entwickeln.
Ein weitere Unterschied ist das Vorkommen von Öl. Früher oder später wird es noch offener als jetzt zum Krieg um diesen wichtigen Rohstoff kommen. Außerdem ist er die eigentliche Quelle der fatalsten Umweltprobleme (Treibhauseffekt).
Somit kann man nur hoffen, dass die Welt (und vor allem die USA als tatsächlich effektivste Forschungsnation) sich dieses Problems annimmt. Ich hoffe, dass der kuweitische Ölminister Recht behält, dass die Steinzeit ja auch nicht durch einen Mangel an Steinen herbeigeführt wurde.
Ohnen Öl keine Umweltprobleme, keine 'lohnenden' (für den Westen) Territorien in der arabischen Welt, keine Gelder mehr für den Terrorismus,...
Die Abhängigkeit der Welt vom Öl ist in meinen Augen eines der größten Probleme - und die jahrhundertelange Ausbeutung und Unterdrückung der Welt durch Mächte wie Europa, USA und Japan.
Den Glauben/die Kulturen halte ich nicht für das Problem - die werden zwar gerne als Vorwand verwendet - ist aber meiner Meinung nach keine Ursache, sondern in seinen ausufernden Formen/radikalismus eher eine Folge der empfundenen Ungerechtigkeit - aus der man dann GERÄCHTIGKEIT (s. Nietzsche) machen will.
Marinero Atlántico:
--- Zitat von: Gandhi am 11.10.04 - 13:03:08 ---Somit ist aus meiner Sicht die USA weder ein Hort der Kreuzzügler noch eine Art Atlantis der Wissenschaft und Künste. Es ist beides in den USA enthalten und man kann für die Welt nur hoffen, dass sich die hellen Köpfe gegenüber den Texanern durchsetzen.
--- Ende Zitat ---
ich glaub nicht an diese strengen Gegensätze. In Deutschland sehen das viele so, aber ich hab starke Zweifel, ob wir das richtig sehen. Man muss sich auf eine Gesellschaft einlassen, bevor man beginnt zu ahnen.
--- Zitat von: Gandhi am 11.10.04 - 13:03:08 ---Ein Krieg lohnt sich nur dann, wenn die Unterschiede zwischen den Parteien (physikalisch: Potential) groß genug sind.
--- Ende Zitat ---
Ich glaub z.B. nicht, dass sich der Golf-Krieg für die USA insgesamt gelohnt hat. Für Halliburton vielleicht, aber für die USA insgesamt. Die USA möchte schnell eine gewählte irakische Regierung und die wird schon allein wg. innenpolitischer Profilierung Staatsaufträge an deutsche und französische Firmen geben. Ausserdem war der Golf Krieg 2 sehr teuer.
--- Zitat von: Gandhi am 11.10.04 - 13:03:08 ---Der größte Beitrag zur Befriedung der Welt wäre in meinen Augen den Süden zu entwickeln.
--- Ende Zitat ---
Jede Gesellschaft muss sich selber entwickeln. Was immer das heissen mag. Ein beliebtes Argument von meinen amerikanischen voll-republikanischen Diskussionspartnern vor dem Golf Krieg war, dass die USA ja schon Deutschland die Demokratie gebracht hätte und nun würde das im Irak genauso passieren. Dem habe ich widersprochen, weil sich die bundesrepublikanische Gesellschaft nämlich in den 50ern und 60ern selber demokratisiert hat. Das war eine große Eigenleistung. Soweit ich weiss, war vor den 70ern in weiten Gesellschaftsschichten in Deutschland vorher der Holocaust ein problematisches Thema.
Mir ist da endgültig klargeworden, dass sowas wie Entwicklung nur von innen kommen kann und die Voraussetzungen dafür gibt es nicht an jedem Ort zu jeder Zeit.
Chile ist heute das in vielerlei Hinsicht das stabilste und vermutlich sogar demokratischste und rechtstaatlichste System Lateinamerikas. Noch 1985 galt es als völlig ausgefreaktes, fanatisiertes und despotisch geführtes Land.
Nachhaltige, funktionierende Wirtschaftsreformen haben 3 Jahre vorher begonnen. Das Land war auch von der USA unter Reagan isoliert. Trotzdem wurden viele Weichen in eben dieser isolierten Zeit gelegt. Und dann begannen die Wirtschaftseliten von Pinochet abzufallen, weil mit ihm im Ausland kein Staat zu machen war (und zwar aus verständlichen Gründen).
Es ist alles sehr kompliziert. In den Augen vieler Chilenen ist Isabell Allende der Sproß einer seit Generationen an die Herrschaft in der Republik gewöhnte Oberschichtsfamilie und selbst ich seh das in ihrer Art zu sprechen und den Gesten. Für die europäischen Gutmenschen ist sie die Nichte (?) eines mutigen Präsidenten, der sich für das "Volk" aufopferte und den bösen Imperialisten trotzte. Und so ist es nicht. Allende hat seine Ideen verfolgt und das endete in wirtschaftlichen Chaos und einer extremen Spaltung der Gesellschaft.
Und zwar nicht eindeutig in Ober- und Unterschicht, weil das Militär nach wie vor und traditionell eines der Aufstiegskanäle der Unterschicht und unteren Mittelschicht war und ist.
--- Zitat von: Gandhi am 11.10.04 - 13:03:08 ---
Die Abhängigkeit der Welt vom Öl ist in meinen Augen eines der größten Probleme
--- Ende Zitat ---
sehe ich auch so.
--- Zitat von: Gandhi am 11.10.04 - 13:03:08 ---
- und die jahrhundertelange Ausbeutung und Unterdrückung der Welt durch Mächte wie Europa, USA und Japan.
--- Ende Zitat ---
Sicher ist es schwieriger in ärmeren Ländern zu leben, aber ich glaube, dass die Ausbeutung eher von Innen als von Aussen kommt. Es gibt Beispiele von sehr armen Ländern, die eine sehr positive wirtschaftliche Entwicklung erleben. Das geht natürlich nicht mit deutschen Sozialstandards, aber es funktioniert. Hat den Deutschen des 19. Jhdts vielleicht irgendjemand bei der Industrialisierung geholfen?
Erstens sind Entwicklungsländer sehr unterschiedlich und in den Entwicklungsländern gibt es sehr wohl nicht nur reiche Ausbeuter und arme Teufel, sondern eben auch verschiedene Arten von Mittelschichten, die sehr ähnlich leben wie wir.
Ausserdem ist es für mich einfacher das Wissen von so Leuten wie Ashik Uzzaman, Pankaj Kumar oder Balaji Longanathan anzuzapfen, anstatt immer alles selber rauszufinden. Ein bischen Ausbeutung ist also völlig o.k.
--- Zitat von: Gandhi am 11.10.04 - 13:03:08 ---
sondern in seinen ausufernden Formen/radikalismus eher eine Folge der empfundenen Ungerechtigkeit - aus der man dann GERÄCHTIGKEIT (s. Nietzsche) machen will.
--- Ende Zitat ---
Nur komischerweise kommen die Terroristen zum größten Teil gar nicht aus armen Staaten, sondern aus dem reichen Saudi Arabien. Naja vielleicht war Usama sauer, weil sein Bruder einen schöneren Caddy Wagen zum Golf spielen hatte.
Gruß Axel
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