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Business und Seelsorge
Axel_Janssen:
Hi,
hier ist wieder so ein Thread, der aus dem Ruder gelaufen ist:
http://www.atnotes.de/index.php?board=7;action=display;threadid=12399;start=20
Stimmt. Solche Diskussionen gehören nicht in ein technisches Forum.
Trotzdem halte ich solche Diskussionen für wichtig. Man sollte das in Seitenthreads legen.
Ich meine, wenn du in der Woche 3x um 21.00 Uhr in die Augen dieses Tivoli-Consultants/Familienvaters guckt, dessen Gross-Projekt gerade schwer abkackt. Dann kommen einem schon Zweifel an dem sprichwörtlichen "Optimismus" dieser Branche.
Er ist noch da, weil er mit Hochdruck versucht, das Projekt zu retten (sieht schlecht aus).
Ich bin noch da, weil ich neben der Arbeit mitten in der Zertifizierungsoffensive stecke und da der Kaffee einfach besser ist und mir Argument überlege, wie ich in MD@Javaranch guest_member_status in Maps Slavic Union erhalte.
Vor 18 Monaten hätte ich mir gesagt, was macht dieser Idiot auch Tivoli. Heute versorge ich ihn mit Kaffee und Äpfel und Birnen aus meiner Obst-Collection und stell keine dummen Fragen. Irgendwann hat er angefangen zu reden und das klang nicht gut...
Also ich bin momentan mit Projekten über beide Ohren zu. Ich wars im Sommer nicht. Ich weiss nicht, wie es in 2-3 Monaten aussieht.
Ich finde es völlig in Ordnung, wenn Leute hier ehrlich über ihre Sorgen sprechen. Und komm mir keiner mit den supervielen-Angeboten auf http://www.meinestadt.de . Es ist nicht so. Die Branche war immer von Schweinezyklen geprägt und wir befinden uns gerade auf der Schattenseite.
Man kann da auch nix machen. Liest einfach das Jobs-Forum von Javaranch von ca. Dez. 2001-Sept. 2003. Seit September bessert sich die psychologische Situation der fellow american IT Experten (in London offenbar auch).
Gruß Axel
Semeaphoros:
Axel, da hast Du aber wirklich ein paar gute Tatsachen ans Licht gezerrt, die wenig gesehen werden. Dass die Branche selber daran mitschuld ist, habe ich in anderen Worten ja auch gesagt. Unter anderem ist ja das Problem, dass der Kunde nicht die Kompetenz dazu hat, den Fachmann vom Angeber zu unterscheiden, das ist ja mit ein Grund, warum er sich nach Unterstützung umsieht. Aber solange die Möglichkeit, an einen Angeber zu geraten, höher ist, als an an einen Fachmann, wird das nur Unverständnis und eben Rückzug bewirken, wie passiert. Das nächste Problem ist ja dann, dass es seeehr lange dauert, bis man realisiert, einem Angeber aufgesessen zu sein, denn schliesslich hat man ja die Kompetenz immer noch nicht. Merkt man es, bricht eine Welt zusammen und mit ihr das Projekt. Dann wird es als nicht realisierbar abgestempelt, unabhängig davon, ob es das wirklich ist.
Ah, stimmt schon, wer sich nicht diversifiziert, der hat längerfristig keine Ueberlebenschance. Aber Dein Bild von Notes ist etwas zu düster. Natürlich gibt es das nicht ewig, aber es ist im Moment zu einzigartig, als dass es soo rasch verschwinden könnte. Nachfolgemodelle stecken allesamt noch total in den Kinderschuhen: Java, Websphere usw. (sorry, ich weiss, dass ich da eine heilige Kuh anpacke ... aber ich weiss sehr gut, was ich hier sage :-) Selbst IBM hat das erkannt und in den letzten Monaten hat Lotus als ganzes (man beschränke sich gewiss nicht nur auf ND, da gibt es Zusatzelemente !! ) innerhalb von IBM eine deutliche Aufwertung erfahren und Websphere wurde "zurückgestuft" in eine realistische Einschätzung: sehr hoher Zukunftswert, aber der Gegenwartswert ist geringer, als man bisher angenommen hat. Insofern: Richtig, Augen auf, aber die Zeit drängt noch nicht.
Uebrigens, wenn ich sage, dass ich weiss, wovon ich spreche: 20 Jahre in der Branche hat mich schon mehr als einen Paradigmenwechsel erleben lassen. Keiner war wirklich eine Revolution, obwohl das Wort in unserer Branche sehr häufig missbraucht wird.
Axel_Janssen:
also diese Angewohnheit, Java/Websphere als Nischenprodukt für early adopters zu charaktersisieren deckt sich einfach nicht mit:
- meiner Erfahrung bei Kunden und innerhalb meiner Consulting
- sämtlichen Statistiken, die ich in den letzten Jahren gesehen haben
- der Projektdatenbank von Gulp
- sämtlichen Jobbörsen, die ich kenne
- der Wahrheit
- der Realität
Gruß Axel
Semeaphoros:
Axel
Du hast schlecht gelesen. Alles, was Du aufführst, stimmt. Das ändert aber nichts daran, dass diese Technologien in den Kinderschuhen stecken und im Moment sehr viel mehr Hype dahinterseckt als wirkliche "deliverables". Und unsere Branche wird vom Hype getrieben und nicht vom Realismus. Keine Frage, dass in diesen Technologien die Zukunft steckt, aber es ist noch nicht so reif, wie es immer wieder dargestellt wird. Die falsch aufgelegten Projekte in diesem Bereich sind Legende, es redet nur kaum jemand davon. Auch ich werde irgendwann einmal den ebenfalls bereits eingeschlagenen Weg in diese Richtung fortsetzen. Im Moment ist es immer noch so, dass bei passender Aufgabenstellung ein Notes-Projekt doppelt so schnell, doppelt so stabil und zuverlässiger zu Ende geführt werden können, als mit den neuen Technologien - wie gesagt, wenn die Aufgabenstellung stimmt. Gerade vor einem halben Jahr war ich in einem solchen (javabasierenden) Projekt involiviert, das perfekt auf die Notes-Technologie gepasst hätte. Resultat: Projektabbruch. Realisationszeit zu lange, immer wieder Probleme mit der Basistechnologie, und die Realität änderte sich wegen der langen Realisationszeit so stark, dass das Projekt am Schluss ein Problem gelöst hätte, das es so in der Realität nicht mehr gab.
Gruss, Jens
Gandhi:
Wenn man nur einen Hammer hat sieht man in jedem Problem einen Nagel.
So will ich hier mal den Streit über das richtige Tool fortsetzen.
Ein Projekt sollte immer einem konkreten Problem oder Bedürfnis folgen.
Da es sehr unterschiedliche Probleme gibt und teilweise auch noch sehr viele Wege nach Rom, also der Lösung, kann man wohl nicht sagen, dass das eine besser als das andere ist.
Das ist ähnlich wie bei den Autos: Ein LKW ist nicht besser als ein Cabrio - er dient einfach einem anderen Zweck.
Mit Lotus und Websphere ist das ähnlich.
Ich sehe die Vorteile in Notes zur Zeit darin, dass es viel einfacher ist darin kleine Anwendungen zu schreiben als in Websphere (für mich zumindest).
Die Vorteile von J2EE sind sicherlich plattformabhängigkeit, skalierbarkeit und eine sauberere Implementierung, als dies mit Notes in größeren Projekten möglich ist.
Daher finde ich es falsch zu sagen, dass Notes oder Websphere sich durchsetzen - ich glaube sie werden gemeinsam das Tool werden, dass sich durchsetzen wird.
Das Problem im Notesmarkt sehe ich an folgenden Punkten:
1. Die Unternehmen, die Notes einsetzen wissen größtenteils nicht, was mit Notes alles geht
2. Die Unternehmen verpulvern ihr Geld lieber für andere Groschengräber (SAP)
3. Im Notesmarkt gab es viel zu wenig Qualität unter den Beratern - man glaubt nicht was man schon alles gesehen und erlebt hat
4. Alles wurde versucht mit Notes zu machen - ich kenne Anwendungen, die versuchen mit Notes relationale Datenhaltung zu machen.
Der Ruf von Notes ist also schlechter als das Produkt. Dennoch ist Notes meiner Meinung nach in vielen Dingen unschlagbar.
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