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zu der liberalen Entrüstung über den Datenkauf der Steuerhinterzieher-Datei

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koehlerbv:
Die allgemeine Debatte (ob Entrüstung oder Ausdruck starker Befriedigung) hat sich ja erwartungsgemäss sehr schnell beruhigt.

Hier einige Meinungen aus dem unmittelbar benachbarten Ausland, die vielleicht die Aufregung in dieser Sache etwas beruhigen können. Und wir sollten nie vergessen: Betroffen sind geldgierige Menschen, die ihre Gier nochmals steigern wollten und nun eventuell auf die Nase fallen. Weiters: Wenn dem Finanzamt etwas komisch vorkommt bei unseren Steuererklärungen, dann kann es eine Kontenabfrage starten (auch heute schon ggf. in der Schweiz, es sei denn, man agiert wie die jetzt betroffenen). Ab und an klappt das eben auch mit den "etwas anderen Konten".

Salzburger Nachrichten: "Steuer-CD: Schweiz empört über Deutschlands „Hehlerei“"

--- Zitat ---Damals hatte der Geheimdienst BND (Bundesnachrichtendienst) für 4,6 Mill. Euro (abzüglich 400.000 Euro Steuern) die Daten von gut 1000 Steuerflüchtlingen der Vaduzer LGT-Treuhand erworben.
--- Ende Zitat ---
Habe ich bisher in deutschen Medien noch nicht gelesen. Ist aber doch ein wichtiger Punkt, oder? Im Heimatland müsste der Datendieb sein "Einkommen" aber sicherlich nochmals versteuern.
Über die Aussagen von Guido Westerwelle (hä, wie denn nun? Kann der nicht Starftäter und Informant auseinander halten und separat beurteilen??), Claudia Roth (diesmal stimme ich zu, Frau Roth!), und Weihbischof Hans-Joachim Jaschke mag sich jeder selbst ein Urteil bilden.

Salzburger Nachrichten: "Heimische Steuerhinterzieher werden nervös"
Ja, ja- nicht nur i nDeutschland greift der sicherlich nicht unerwünschte Nebeneffekt bei den Raffkes. Auch hier eine interessante Zahl:

--- Zitat ---In der Folge haben 43 Personen Selbstanzeige erstattet und 9,2 Mio. Euro Steuern nachgezahlt, teilte das Finanzministerium mit. Bei 26 Personen, die keine Selbstanzeige erstattet haben, gab es Hausdurchsuchungen und Nachzahlungen von 1,3 Mio. Euro. Insgesamt hat der Staat aus der Liechtenstein-Affäre 12,7 Mio. Euro Steuereinnahmen lukriert. Rund die Hälfte der 166 Fälle ist noch gar nicht abgeschlossen.
--- Ende Zitat ---
Und wer weiss, was aus diesen 166 Fällen noch heraus kommt. Andererseits: Eine dreistellige Anzahl von Personen, die auf der Datensammlung aus Liechtensteiner erschienen, sind aussen vor geblieben - das sind eben nicht alles "schwarze Schafe".

SPIEGEL Online: "Wir haben so viel Mist gebaut"

--- Zitat ---Aber die meisten Schweizer Banker sind Krämer, also Menschen, die sich bereichern wollen, keine Strategen.
--- Ende Zitat ---
Sagt ein Schweizer Banker.

Spätestens 2011 scheint ein solcher Fall sowieso obsolet, und dann müssen die auf dem Solidarprinzip aufgebauten europäischen Staaten schauen, wohin dann (sicherlich schon deutlich weniger) die ganz Gierigen ausweichen werden.

Zuletzt sei ein Buch empfohlen, dass die letztlich traurige und aussterbende Szene an der Zürcher Bahnhofstrasse beleuchtet (und die ganzen wirklichen Profis der Schweizer Finanzbranche nicht beleidigt):
René Zeyer: "Bank, Banker, Bankrott: Storys aus der Welt der Abzocker"

Bernhard

DAU-in:
Der Kauf der Daten aus Vaduz wurde ausführlichst damals in den Medien behandelt, Bernhard. Allerdings mehr unter dem Aspekt: Wer soll das bezahlen, wer hat soviel Geld... sowie z.B. Zumwinkel.
Der BND hatte das Geld ausgelegt und dann vom Finanzministerium (ich glaube, es war NRW) zurückgefordert.
Und die meinten: wir haben nach Informationen gefragt, aber nicht eine Geldzahlung in Auftrag gegeben, vielen Dank für die Infos.

Ich habe derzeit leider nicht die Zeit für eine längere Antwort.

pd:
Populismus muss ja nicht unbedingt schlecht sein. Ich gehöre auch zum Volk, finde mich nicht schlecht.
Moralische Fragestellungen haben meines Erachtens hier nichts zu suchen, denn die betroffenen Menschen haben nicht wirklich mit hervorstechend guter Moral geglänzt (Moral im Sinne dessen was allgemein als gute Moral angesehen wird).

Richtig, es ist kein Menschenleben bedroht. Aber die Lebensqualität vieler Menschen ist bedroht durch irrelevant mehr Reichtum einzelner, nur um der Zahl willen. Als Beispiel habe ich hier im Bekanntschaftskreis erlebt, dass eine Familie tatsächlich kein Geld für Weihnachtsgeschenke für die Kinder hatte, in dem Fall weil wieder Heizöl gekauft werden musste. Die Familie lebt tatsächlich äußerst knapp. Die Kinder können prima damit umgehen (zum Glück), aber dem Vater zerreißt es förmlich das Herz, dass er das nicht bieten kann, obwohl sich die Eltern schon alles versagen.
Falls durch gefülltere Sozialkassen und Steuersäckel der Spruch "mehr netto vom brutto" tatsächlich wahr werden würde, wäre das eine unvorstellbar segensreiche Entlastung. 50 EUR mehr im Monat würden der Familie wahrscheinlich mehr bedeuten, als einem Zumwinkelartigen Menschen 100 TEUR.

Und ich bin mir sicher, das ist kein Einzelfall und es geht sicher noch wesentlich krasser.

Ich habe gegen die Nutzung dieser Daten rein gar nix einzuwenden, schließe mich da aber Marco (und vielen anderen) an, es darf keine Gewohnheit werden und gehört geprüft.


Patrick

Klafu:
Aber ist ist auch sa, dass die richtig dicken Fische (Firmen und Co.) ihr Kapital auch oft ins Ausland bringen. und dies durch 'SteuerProfis' und Gesetzteslücken soagar fast 'legal'.

Und ob diese 100 Mio wirklich Sinnvoll vom Staat eingesetzt werden...
Wir werden sehn.

pd:
Ja, es gibt sicher noch einige mehr, die man mal auf den Kopf stellen und schütteln sollte ;-)
Das fängt an bei kleinsten Schmarotzern und geht rauf bis zum ganz großen Stil, wo sich Anwaltsheerscharen darum kümmern... (Arbeiten im Bundestag nicht auch Heerscharen von Anwälten ;-)

Patrick

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