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Stern Wahl-O-Mat
koehlerbv:
Das stimmt schon zahlenmässig nicht, Axel - Neufünfland hat gerade 20% der deutschen Bevölkerung. Schau Dir mal lieber die Bundesländer im einzelnen an. Das ist auch hochinteressant.
Interessant wäre auch mal eine Statistik, was Leute, die in Neufünfland aufgewachsen sind und die heute in den alten Bundesländern wohnen, so wählen. Ich kenne jedenfalls keinen "Ex-Ossi", der "Die Linke" auch nur in Betracht zieht. Ich kann mir aber vorstellen, was sich ein Angehöriger der Bunten Wehr oder auch ein Polizist (und und und) denken, wenn sie (Hauptwohnsitz Ost) weniger verdienen als der Kollege nebenan (Hauptwohnsitz West). Oder Eisenach: Das produktivste Opelwerk in Deutschland. Nur die Gehälter passen trotzdem nicht mit denen in Bochum oder Rüsselsheim zusammen.
Ganz abgesehen davon: Der "frustrierte Osten entscheidet die Wahl", wie von unserem aktuellen "Kini" proklamiert, ist eh "a Schmarrn". Die Stimmen pro "Die Linke" gehen der SPD flöten, nicht der CDU. Der CSU sowieso nicht ;D
Bernhard
flaite:
Der Unterschied ist ziemlich deutlich.
Ich verstehe "Das verhindern von populistischen Parteien" als eine der wichtige Grundsäule der Bundesrepublik Deutschland. An diese Spielregel wird sich offenbar nicht mehr gehalten (25 bis 30%).
Und bitte: Dieses Lohnargument.
Auch zwischen Norddeutschland und Süddeutschland existieren schon länger recht deutliche Lohnunterschiede.
Wieviel verdienen denn bitte schön Opelwerker in Tschechien oder Polen (falls es das da gibt)?
Wenn Eisenach billiger ist als Bochum oder Rüsselsheim, dann sind dort eben auch die Arbeitsplätze sicherer. Das sollte sich also mittelfristig auszahlen. Ausserdem sind die Lebenshaltungskosten im Osten geringer (v.a. Miete).
Z.B. waren die Löhne auch in Österreich lange niedriger als in der Bundesrepublik. Weiss nicht, ob das heute noch so ist.
Lohn wird eben in einem marktwirtschaftlichen System nicht durch Gerechtigkeit sondern mit Knappheit bestimmt. Und wenn es den Gewerkschaften in diesen Autokonzernen eine Weile lang gelang sehr hohe Tarifabschlüsse und Sonderregelungen zu verhandeln, dann wird sich das irgendwann auswirken, wenn Deutschland den Standortvorsprung verloren hat. Und genau das ist passiert. Ich bin zumindest in einem Berliner Standort eines Autokonzern über das Agieren des Betriebsrats gut informiert und die halte ich für komplett gaga. Da werden nämlich Vergünstigungen verteidigt, davon hat unserereins keine Vorstellung.
Und ich find das auch nicht sozial. Sondern das komplette Gegenteil. Weil diese Damen und Herren nämlich gleichzeitig fröhlich Praktikanten und Zeitarbeitskräfte ausbeuten. Die Praktikanten und Zeitarbeitskräfte kriegen quasi nix und gleichzeitig sind ihre Arbeitsplätze gefährdet, weil die Damen und Herren "sozialbewußte" Mitarbeiter ihre Champagner-Bedingungen mit copy&pasten aus dem Argumentationsfundus einer ja mal berechtigten Arbeiterbewegung begründen.
Gandhi:
Nun, zunächst mal: Natürlich gehe ich wählen, auch wenn das für Exilanten etwas erschwert ist.
Zum Osten: Es ist schwer vorzustellen, was in den Köpfen dort vorgeht. Kaum demokratisch sozialisiert geht es heute nach 15 Jahren teilweise in vollkommener Arbeitslosigkeit, einigen eben subjektiv schlechter. Sie haben nie gelernt, wie sie aus eigener Initiative etwas schaffen - und haben unschlagbare Konkurrenz im Osten. Aus solcher Perspektivenlosigkeit machen sie für uns unverständliche Dinge - vielleicht, weil sie für uns unverständlich gross wurden. Die 'Ossis', die Neufünfland relativ schnell verliessen, haben ohnehin Eigeninitiative gehabt (sonst wären sie geblieben) und sehen das nach 15 Jahren dann vermutlich anders.
Richtig wäre also nicht den Populismus allein zu bekämpfen, sondern die Neufünfländer zu stärken.
Zu meiner Wahl: Wähle ich meine Nummer 1 muss ich befürchten, dass sie sich von meiner Nummer 5 vollkommen unterbuttern lässt. Vor allem vom dümmsten Politiker aller Zeiten, der je Ministerpräsident wurde. Selbst für die Bayuvaren merkwürdig.
Weiterhin rennen in der Union Gestalten rum, die so dermassen unliberal sind, dass man fürchten muss, dass der Adenauersche Verteilungsstaat nun den Brandschen ablöst - und sich tatsächlich nichts ändert.
Positiv aus meiner Sicht ist der ordoliberale Kirchhof - das hellste Licht in der Union seit Erhard? Ach ja - waren ja beide nicht in der Union.
Und dennoch hat der mehr liberale Ideen in die Diskussion gebracht als Guidos Quasselbande.
Traurig für mich ist auch, dass ich leider mit meiner Meinung eindeutig einer Minderheit angehöre - und Dinge wie ein starker Staat - der für mich reichlich inakzeptabel ist - offenbar befürwortet wird.
Somit ändert sich mit der Wahl vermutlich gar nichts - ausser den Namen der Minister und der Bezeichnung ihrer Behörden.
Nichts desto trotz sollte man dennoch den Kopf nicht hängen lassen und die kleine Chance, die Deutschland jetzt zur Neuerung hat nutzen.
flaite:
Man kann da natürlich auch nicht generalisieren.
Nur empfinden es eben die meisten als z.T. relativ hart zur Zeit. Aber das ist kein Grund, dass 30% eine Protestpartei wählen. Das hat es in der Bundesrepublik Deutschland einfach noch nie gegeben. Und da hatten unsere Verfassungsväter wg. Weimarer Republik große Angst vor. Wenn inzwischen sich linkswendende Grüne, eine linksgewendete SPD und die PDS wieder knapp unter 45% im gesamten Bundesgebiet sind, dann fange ich langsam an ernsthaft über Auswanderung nachzudenken. Da habe ich nämlich keine Lust zu. Eine entschlossen Bejahung, dass alles ein bischen schneller werden muß, ist das jedenfalls nicht, sondern eher das Gegenteil.
Und ich hab auch echt keinen Bock mehr immer Verständnis zu haben. Wenn ich meine Deadlines nicht einhalte, gibt es auch kein Verständnis und die Gespräche wären in dem Fall relativ vorhersehbar. Und Risiken gibt es immer.
Den Stoiber finde ich gar nicht so schlecht. Vor allem seit er in Bayern die Ausgaben senken will. Der setzt sich ein klares Ziel und versucht das zu erreichen. Das ist für mich Wirtschaftspolitik und nicht dieses WischiWaschi, dass wir in den letzten Jahren hatten.
Es geht jedenfalls nicht so weiter. Und deshalb sind mir auch Konservative lieber als Leute wie Jürgen Trittin oder Claudia Roth.
Die einzige Chance für uns die relativ hohen Löhne zu halten besteht darin effizienter zu sein als das Ausland. Ich finde, dass dafür in relativ vielen Ebenen immer mehr die Basis entzogen wird.
Gandhi:
--- Zitat ---fange ich langsam an ernsthaft über Auswanderung nachzudenken
--- Ende Zitat ---
Deshalb bin ich ja jetzt auch unter anderem in der Schweiz. :-:
Ich weiss nicht, wie es andere sehen - für mich ist Deutschland sehr hart an der Grenze zu einem echten Abrutsch. Mich wundert die Selbstherrlichkeit und Ignoranz gegenüber diesem Problem - wobei ich möglicherweise einfach auf Paranoid bin.
Sieht man sich aber die Rahmendaten an: Schlechtes Bildungssystem, langsames Bildunssystem, enorm hohe Lohnnebenkosten, geringe Wochenarbeitszeit, unglaublich viel Urlaub, schlechte Stimmung, geringe Motivation, Massive Probleme bei der Finanzierung (wg. Probleme der Banken/Opportunitätskosten), ein unglaublich unübersichtlicher, bürokratischer Staat, für Unternehmen z.Zt. sehr rechtsunsicherer Staat (wg. aktuell ziemlich chaotischer Gesetzgebung/unverständlichen Gesetzen (v.a. Steuer)), sehr schwacher Binnenmarkt, ....
Wenn die vorhandene Masse in Deutschland nicht so gross wäre ginge es vermutlich viel schneller. Meiner Meinung nach steckt Deutschland in einer sehr tiefen Krise - und irgendwie macht niemand was dagegen - im besten Fall redet man darüber und schlägt zur Lösung doch nur wieder ein Problem in anderer Farbe an.
Meiner Meinung nach ist das einfach:
-Es fehlt an Bildung --> Ins Bildungssystem investieren - auf allen Ebenen - vor allem im Bereich der Jüngsten. Wenn der Kindergarten Geld kostet kann ein Studium nicht umsonst sein. Ausserdem gilt: Was nichts kostet ist nichts wert - und wenns eh nichts kostet kann man ja ruhig Ägyptologie studieren.
-Es fehlt an Konkurrenzfähigkeit in den Kosten:
Dann muss man die eben reduzieren - durch längere Arbeitszeiten, weniger Urlaub, Lockerung des Kündigungsschutz und Senkungen (drastische) in den Subventionen - die der Volkswirtschaft insgesamt nur schaden.
-Es fehlt an Binnennachfrage:
Kein Wunder bei dem Chaos der Politik und der hierausfolgenden Verunsicherung. Vertrauen schaffen, durch Massnahmen, die nachvollziehbar und wirkungsvoll sind. Steuern senken - und über die Mehreinnahmen der Mehrwertsteuer dieses kompensieren. Leistung gesellschaftlich anerkennen und Konsum somit wieder fördern.
-Im Osten auf wenige Zentren beschränken und dort in Zukunft investieren (so haben es die Bayern geschafft vom ärmsten zu einem der reichsten Bundesländer zu werden). Zukunft ist alles, wo ein hoher Dienstleistungsaufwand (z.B. Forschung und Entwicklung) benötigt wird - da man hier mit industrieller Produktion nichts mehr gewinnen kann.
Aber wahrscheinlich bin ich tatsächlich paranoid und Deutschland wächst und gedeiht im selbstgeschaffenen Sumpf....
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