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Lustig? Wohl eher nicht.

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Thomas Schulte:
Kurt Tucholsky

Eine Frage

Da stehn die Werkmeister - Mann für Mann.
Der Direktor spricht und sieht sie an:
" Was heißt hier Gewerkschaft!
Was heißt hier Beschwerden!
Es muß viel mehr gearbeitet werden!
Produktionssteigerung! Daß die Räder sich drehn!"
Eine einzige kleine Frage:
Für wen?

Ihr sagt: Die Maschinen müssen laufen.
Wer soll sich eure Ware denn kaufen?
Eure Angestellten? Denen habt ihr bis jetzt
das Gehalt wo ihr konntet heruntergesetzt.
Und die Waren sind im Süden und Norden
deshalb auch nicht billiger geworden
Und immer sollen die Räder sich drehn...
Für wen?

Für wen die Plakate und die Reklamen?
Für wen die Autos und Bilderrahmen?
Für wen die Krawatten? Die gläsernen Schalen?
Eure Arbeiter können das nicht bezahlen.
Etwa die der andern? Für solche Fälle
habt ihr doch eure Trusts und Kartelle!
Ihr sagt: Die Wirtschaft müsse bestehn.
Eine schöne Wirtschaft!
Für wen? Für wen?

Das laufende Band das sich weiterschiebt
liefert Waren für Kunden die es nicht gibt.
Ihr habt durch Entlassung und Lohnabzug sacht
eure eigene Kundschaft kaputt gemacht.
Denn Deutschland besteht - Millionäre sind selten -
aus Arbeitern und Angestellten!
Und eure Bilanz zeigt mit einem Male
einen Saldo mortale.

Während Millionen stempeln gehn.
Die wissen für wen.

(1931)

Es gibt Momente, da bleibt einem das Lachen im Halse stecken.

Axel:
Lustig ganz bestimmt nicht. Wohl eher bittere Realität für viele.

Auch auf die Gefahr hin als Pessimist angesehen zu werden, befürchte ich, dass es noch schlimmer kommen wird.

Axel

eknori:

--- Zitat ---bittere Realität für viele.
--- Ende Zitat ---
Wie sagte unser CEO am Freitag: "Mit grosser Anstrengung sind wir 2013 wieder auf dem Niveau von 2008 ... ; ... Kurzarbeit geht ja nur bis zu 24 Monaten ... daher müssen wir weitere Massnahmen ergreifen ..."

Und im Oktober werde ich 50 ... Prost!

blizzard:
Ja, ich denke bzw. hoffe, dass wir den Tiefpunkt mittlerweile in vielen Branchen erreicht bzw. schon drüber sind.
In der Automobilindustrie sehe ich aber den tiefsten Punkt noch im kommen - Abwrackprämie sei dank.

flaite:
Die Reallöhne sind ja in den letzten 12 Monaten eher ein wenig gestiegen oder zumindest nicht signifikant gefallen.
Wirklich gesunken ist der Export.
Bis 2013 das Niveau von 2008 würde ja bedeuten, dass es zumindest ab 2011 wieder ein wenig Wachstum gibt, um den aktuellen Einbruch von 6% wieder einzuholen.
Dass dies mit dem horrenden Konsumquoten der USA nicht ewig so weitergehen konnte, war eh abzusehen.
Vor den mit überderegulierten Finanzmärkten verbundenen Risiken hätten unsere Volkswirte insbesondere aufgrund ähnlicher Ereignisse in Schwellenländern in Ostasien/Lateinamerika sowie Japan nachdrücklicher warnen sollen. Da haben Sinn et. al. definitiv versagt, obwohl sie schon leise in Expertenkreisen gewarnt haben und Sinns neues Buch "Kasino-Kapitalismus" absolut lesenswert ist.
Letztlich sind volkswirtschaftliche Prognosen über einen langen Zeitraum von 6 Jahren nicht wirklich zuverlässig.
In dieser Krise beschleunigt sich die Angleichung bestimmter Schwellenländer an unsere Niveaus. Indonesien wächst  mit 4%, die nicht-faschistischen Teile Südamerikas (faschistisch= Venezuela et. al.) sind erstmals seit ca. 1900 nur schwach von einer tiefen Weltwirtschaftskrise betroffen, das chinesische Konjunkturprogramm schlägt sehr gut an.
Ich bin recht zuverlässig, dass eine massive Regulierung des seit den 80ern zunehmend durchgeknallten Finanzsektors in der sogenannten "entwickelten" Welt geben wird. Man würd damit sowieso nur Entwicklungen nachahmen, die in Thailand, Malaysia, Taiwan, Südkorea, Chile und Brasilien in den 80ern und 90ern stattgefunden haben.
Und dann hoffe ich noch auf eine weltweite Tendenz zur stärkeren fiskalischen Belastung hoher Vermögen und Gehälter. Viele werden aber davon überrascht sein, dass damit auch nicht so irrsinnig viel Geld in die Staatskasse kommt.
Diese Krise ist auch für mich nicht schön. Jammern bringt aber auch nix. Solange die hiesige Bevölkerung nicht wie in den 30ern auf die Idee kommt radikale Parteien wie NPD oder SED zu wählen, kann ich damit leben. Die stories meines Opas mit Schlosserlehre Anfang der 30er waren jedenfalls deutlich krasser wie jetzt hier.

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