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Rant: Englisch/Deutsch
Marinero Atlántico:
--- Zitat von: Gandhi am 21.04.05 - 14:30:35 ---Dennoch bin ich der Meinung, dass man fast das gesamte IT-Wissen, dass wenigstens ein halbes Jahr alt ist, mit mehr oder weniger guten deutschen Büchern abdecken kann.
--- Ende Zitat ---
Für bestimmte und wichtige Fälle gibt es imho keine adäquate Literatur. z.B. Notes
Auch wenn es einen deutschen Titel zu Spring oder Java Desktop Programmierung gibt, heisst es ja nicht, dass er in irgendeiner Form mit Werken aus dem Hause Sourcebeat oder Manning vergleichbar wäre. :)
Oder auch wenn es ein bischen tiefer/ spezieller sein soll. Ein Buch zu Transaktionsprocessing in Java auf Deutsch? Oder auch nur so seltsame aber irgendwie lehrreiche RDBMS Bücher von Celko.
Ein bischen gemein (korrigiere mich wenn ich falsch liege): In Naturwissenschaften wie Physik gibt es ja sowieso nur 10 relevante, lebende Autoren und für die 5000 Leser rechnet sich das übersetzen nicht. ???
--- Zitat ---Trotz wirklich akzeptabler Englischkenntnisse muss ich aber sagen, dass mir das wesentlich schwerer fällt, als entsprechende Texte in deutsch zu lesen - was mir tatsächlich ziemlich mißfällt, zumal eine Gewöhnung hieran nach über 14 Jahren englischer Literatur immer noch nicht vollzogen ist. Ich verstehe zwar alles - aber es will nicht so schnell in mein Hirn....
--- Ende Zitat ---
sagen viele Leute. Find ich nicht.
--- Zitat ---Lebenslanges Lernen ist Pflicht und Privileg.
--- Ende Zitat ---
Genau. Oder man sucht sich einen Job, wo man nicht lernen braucht. Vertriebler oder Erntehelfer. ;D
(kleiner Scherz)
m3:
--- Zitat von: Marinero Atlántico am 21.04.05 - 14:51:09 ---Oder man sucht sich einen Job, wo man nicht lernen braucht. Vertriebler ...
--- Ende Zitat ---
ROTFL! BÖSE !!! ;D
TMC:
Well, ich war in der Schule (Gymnasium) in Englisch immer so ein 4er-Schüler. Extrem lernfaul (Vokabeln), das hatte mich manchmal auch in die 5er Region gedrückt (Exen oder Abfragen am nächsten Tag). In Schulaufgaben holte ich das dann wieder einigermaßen mit 3ern und 4ern raus.
Ich finde vieles liegt an Bequemlichkeit. Es ist bequemer (und man ist schneller), Texte in deutscher Sprache zu lesen. Ich selbst hatte mich anfangs geärgert, dass die Designerhelp nicht komplett in Deutsch ist. Ich war mir zu bequem, eh schon in einem Neuland (Notes) dann auch noch alles in Englisch reinzuziehen.
Aber ich habe da in den letzten Jahren einen massiven Lernprozess mitgemacht. Auch ich habe festgestellt, dass viele deutsche Quellen nur aus dem Englischen gelangweilt übersetzt wurden. Entsprechend schlecht ist die Qualität.
Wer meines Erachtens mit IT (jetzt ganz allgemein) zu tun hat, und sich weigert, mit Englisch umzugehen, hat den falschen Job.
Ich hatte in den letzten 2 Jahren das Glück, und werde ich auch zukünftig haben, dass ich viel beruflich in Englisch kommunizieren muss. Dadurch kommt Routine rein. Zumindest in der üblichen geschäftlichen Korrespondenz. Tue mir aber immer noch teilweise schwer, geschickte Formulierungen per eMail loszulassen. Gerade wenn ich positiv einwirken muss, ist ja auch im deutschen nicht einfach, und viel Feingefühl ist erforderlich.
Für die Best Practices bekam ich teilweise tolles Feedback für meine Agenten-Abhandlung, weil ich dort nur englische Begriffe (Trigger, Run on behalf of, etc.) verwende. Ist so für viele wohl eine Erleichterung, weil man in 1 Sprache spricht.
Im Notes/Domino - Bereich ist IMHO Englisch unerlässlich aufgrund LDD und KB. Da braucht man auch englische Fehlermeldungen, deutsche bringen einen da nicht weiter.
Aber auch in anderen IT-Bereichen gestaltet sich das ähnlich.
Also: Bei jungen Leuten nenne ich es Faulheit und oder auch fehlende Fähigkeit dafür, wenn diese kein Englisch können oder anwenden möchten, und sind da dann falsch im Job.
Anders sehe ich das bei Leuten die im mittleren Alter sind, und Englisch nie brauchten aber trotzdem im IT-Bereich beschäftigt sind (auch das gibt's): Je älter, desto schwieriger fällt einem das lernen, keine Frage. Hier bin ich immer tolerant, aber nur bis zu einer gewissen Grenze.
Aber für einen klassischen IT-Angestellten sind IMHO die Anforderungen nicht wirklich hoch: Textverstehen reicht oftmals schon aus. Und das sollte fast jeder hinbekommen, ich behaupte oft fehlt da einfach der Wille. Hier wieder: Bequemlichkeit.
DaWutz:
Also ich war in Englisch in der Schule auch nie der Bringer... eher ein 5er Kandidat. Da hat es mal ein 3-Wöchiger Schulaustausch nach GB rausgerissen - wenn einen die Leute nur verstehen, wenn man selber englisch redet, dann lernt viel schneller und effektiver!
Später sollten noch 3 Monate Texas (vom Bund finanziert) dazu kommen, die haben mich dann noch viel weiter gebracht, obwohl wir meistens doch "unter uns" waren. Und in der Firma, in der ich jetzt bin, ist englisch "Schriftsprache", d.h. alle offizielle Korrespondenz läuft in Englisch und da muss ich TMC recht geben, auch das bringt einem mehr als Jahre in der Schule.
Und wenn ich demnächst (hoffentlich) für 4 Monate nach Kanada gehe, dann erhoffe ich mir auch dort wieder einen Sprachboost - sowohl was den beruflichen, aber auch den privaten Bereich angeht.
koehlerbv:
Meine Meinung: Ohne etwas über die Basics hinausgehende Kenntnisse der englischen Sprache ist man in der IT-Branche (und vielen anderen auch) verloren. Wir haben es durchaus auch mit einem positiven Globalisierungseffekt zu tun - die Leute arbeiten einfach rund um den Globus zusammen auf vielfältige Weise. Auf eine Sprache sollte man sich da einigen, und das ist mit Englisch aus den verschiedensten Gründen nun mal passiert.
Notes / Domino ist eines der besonders ausgeprägten Themen: Der Produkt stammt aus den USA, die Anzahl der wirklichen Fachleute hält sich durchaus in Grenzen - und viele Sprachen verträgt so eine Konstellation nicht. Ich bekomme locker zwei Hände voll netter, kooperativer Kollegen zusammen, die alle andere Sprachen vom Elternhaus her sprechen - irgendwo müssen wir uns ja einigen.
Erfahrungsbericht:
Was Sprachen angeht, hatte ich wirklich Glück. Mein Vater pflegte und pflegt auch heute noch als international renommierter Wissenschaftler (auch hier: Durchaus ein Spezialgebiet) Kontakt zu Kollegen aus aller Welt. Wann immer bei uns zu Hause ausländischer Besuch war und die Situation es erlaubte, nahm er uns Kinder mit dazu - und wir mussten verstehen und reden, wenn wir mit dabei sein wollten.
In der Schule habe ich dann recht fleissig (weil motiviert) Fremdsprachenunterricht konsumiert: Erst Russisch (das war damals für uns 5. Klasse Pflicht), ab der 7. Klasse dann die obligatorische 2. Fremdsprache (Englisch), fakultativ habe ich dann aber parallel auch Französisch belegt. Ab der 9. Klasse (erst da startete damals in der DDR das Gymnasium - was aber wirklich keine dumme Idee war, meine ich) besuchte ich eine "Spezialklasse mit erweitertem Fremdsprachenunterricht" (Russisch, Englisch, Französisch - jeden Tag eine Stunde in jedem Fach, soweit ich mich erinnere. Samstag war auch Schultag, k.A., ob und wieviel Sprachstunden wir da hatten).
Okay, interessiert war ich, aber meine Noten (sowieso nichtssagend in diesem Zusammenhang) waren 2 mit Tendenz zur 3. Zwischen der 11. und 12. Klasse spendierten mir meine Eltern eine Sprachreise, die die Jenaer Universität für Schüler organisierte - an die Universität Donezk (zur Vertiefung der Russischkenntnisse). Lieber hätten sie mich nach London oder Paris geschickt, aber das ging ja nicht. Aber: Diese sechs Wochen waren der Knaller, massenhaft Freunde in Donezk kennengelernt, tolle Dozenten an der Uni - und nach einer Woche ungefähr fiel auch kaum noch ein deutsches Wort unter den deutschen Gasthörern - wir hatten einfach "umgeschaltet" und vor allem gemerkt: Es geht auch problemlos in einer "fremden" Sprache.
Witzige Folge in der 12. Klasse: In Russisch fiel ich zum Halbjahr auf Note 3 ("Köhler, sie haben einen üblen ukrainischen Slang, und ihre Bemühungen um die Grammatik sind sehr verbesserungswürdig !"), und in Englisch hatte ich das ganze Jahr nur noch Einsen (ich habe in der 12. Klasse mein Abi gemacht). In Russisch kam ich dann aber doch noch auf eine 2 ;-)
Okay, Russisch hat mir später noch bei der Armee geholfen ("Köhler, Sie müssen mal wieder übersetzen !"). Nette Erlebnisse ;-) Ich habe längere Zeiten privat in Georgien verbracht - und da konnte niemand ringsherum etwas anderes als seine Muttersprache oder Russisch. Ich bin dort wirklich nicht verhungert ;D
Der Kern war: Mein Vater hat mir durch meine Einbindung in seine kollegialen Kontakte die Möglichkeit gegeben, mich in fremden Sprachen zu probieren. Dadurch war ich sensibilisiert auf die Bedeutung des Fremdsprachenunterrichts in der Schule. Den Durchbruch aber bedeutete der sechswöchige Aufenthalt in Donezk - hier habe ich endgültig gelernt, dass man in einer anderen Sprache auch wirklich reden kann und dafür kein Lehrbuch braucht. Und das man sich versprechen kann, dass das auch klappt mit inkorrekter Grammatik, dass man den Gesprächspartner auch einbeziehen kann in die Siuche nach Wörtern usw. usf. WIE das gewirkt hat, sah man dann witzigerweise zuerst im Englischen - obwohl ich doch sechs Wochen fast nur russisch gesprochen hatte ;D
Jo, und nachgewirkt hat das auch: Mein Französisch reicht heute vielleicht noch für's nicht verhungern beim Nachbarn, aber dafür funktioniert Italienisch heute ebenso. Und da wir jeden August in Dänemark verbringen, dürfte mein Dänisch mittlerweile über den "Nicht-verhungern"-Status hinausgehen.
Langer Rede kurzer Sinn: Ohne Fremdsprachen (in der IT unbedingt Englisch als nationenübergreifende Sprache) geht nichts wesentliches. Und vielleicht sollten "Sprachangsthasen" sich zumindest eine "mainstream novel" im englischen Original 'reinziehen - in der Regel stellt man nach erstaunlich wenigen Seiten fest, dass man das Wörterbuch fast gar nicht mehr braucht, sondern das Buch liest wie jedes andere auch.
Sorry für den langen Erguss, aber Fremdsprachen sind sowas von wichtig ...
Bernhard
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