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Semeaphoros:
Ok, was da um die Nase weht, da sind wir uns einig. Dein Erlebnis solltest Du ausgiebig geniessen, es hat wohl Seltenheitswert.

Das Gremium in Frankreich funktioniert nicht wirklich, das spanische ist da fast sicher nicht vergleichbar, obwohl ich das meinerseits nicht kenne.

Arroganz braucht es erst, wenn man behauptet, "Ausbildung" korrekt und 100%ig umsetzen zu können, ich hab ja nur den Begriff definiert, um Gedankengänge anzustossen. Stimmt, wenn man das umsetzen will, sollte man sich der eigenen Mängel bewusst sein und wissen, dass es nix 100%iges gibt. Aber die (Aus-)Bildungsdiskussion (inkl. dem eher etwas merkwürdigen Pisa-test) krankt ja genau an dieser 100% Vorstellung oder dem "sich göttlich fühlen" wie Du es so schön ausgedrückt hast. Erst wenn man von diesem Sockel herunterkommt, ist sinnvolles Nachdenken möglich.

Marinero Atlántico:
Marco hat es auch nicht leicht hier ::)

Gandhi:
Warum nicht?
OK, Bildungsmäßig komme ich aus einer anderen Ecke...In Deutschland gilt ja die humanistische Bildung mehr, als die Naturwissenschaftliche - insofern seid Ihr da im Vorteil  8)
Andererseits aber auch nicht, da ich meine (unnütze) Ausbildung nicht missen möchte (durch sie habe ich mit Sedgwig, Datenbanktheorie etc. zumindest im Theoretischen wenig Probleme - Mathe bringts...)

Zum Thema Bildung: Ich komme eigentlich aus einer Handwerkerfamilie - insofern stehe ich sehr wohl auf dem Standpunkt, dass die Fähigkeiten zur manuellen Arbeit durchaus eine Art von Bildung sind. Völlig wertfrei. Und ich bin auch durchaus der Meinung, dass man sich solche Fähigkeiten aneignen soll (weil sie manche Dinge dann wiederum unendlich viel einfacher machen)
Nicht in Frage gestell wissen will ich aber, dass Bildung an sich hierzulande (und überall sonst - aus Prinzip) Mangelware ist, weil man nie zuviel davon haben kann. Daher wünsche ich mir, dass die Institutionen zur Bildung incl. Lebenslanges Lernen (VHS etc.) gestärt werden.

So doof das auch klingt: Hätten wir hier 5 Millionen Spitzenausgebildetet Arbeitslose hätten wir keine 5 Millionen Arbeitslose.

Und die Abqualifikation von Menschen nach Bildungsabschlüssen im ersten Lebensviertel ist irgendwie skandalös. Und überhaupt nicht zeitgemäß.

Semeaphoros:
Das ist richtig und die Tendenzen sind/waren entgegengesetzt. Hier hat die Pisa-Studie eine gute Seite, indem sie in Frage gestellt hat und das Bewusstsein hervorgeholt hat. Die Reaktionen darauf sind jedoch hanebüchen, und die Studie selber in meinen Augen eine Katastrophe. Ein Interview mit dem "Erfinder" der Studie hat zwischen den Zeilen durchblicken lassen, dass der Mann Fan des finnischen Systems ist, kein Wunder, dass das Resultat so aussieht, wie es das tut. Und jetzt flickt man an Symptomen statt an Ursachen. Bei genauem Hinsehen pumpen die Finnen ins Bildungssystem einfach mehr Resourcen pro Einheit (Lernenden) hinein als das in D oder auch in CH der Fall ist.

Gandhi:
Genau. Das einfache Reinpumpen von Ressourcen reicht schon aus.  Da braucht man nicht über Schulideologien zu philosophieren, da reicht der bloße gesunde Menschenverstand. Klassen mit 35 Schülern, 5 Stunden Unterricht (theoretisch - praktisch 4,5?) können in meinen Augen schlicht nicht effektiv sein. Kennt jemand einen privaten Bildungsanbieter, der z.B. eine Notes-Schulung mit 35 Teilnehmern anbietet? Ich glaube 8 ist hier das Maximum. Mit gutem Grund. Und hier werden Erwachsene (mit erheblicher Motivation und Konzentrationsfähigkeit) geschult und keine zappeligen, fahrigen Sechsjährige.
Und zum Thema Pisastudie: Die hätte echt niemand durchführen müssen - das war offensichtlich, dass Schule nicht funktioniert. Ein Beispiel?
Englischunterricht. Wir hatten in der Schule 9! Jahre Englischunttericht. Ein Zeitrahmen in dem man annehmen sollte, dass jeder diese Sprache dann flüssigst beherrschen sollte. Weit gefehlt. Von 30 Mitschülern würde ich 10 so einschätzen, dass sie mit ihren Sprachkenntnissen (nach der Schule) in England oder den USA überlebt hätten. Die anderen (mich eingeschlossen) konnten bestenfalls etwas daherstottern. Englisch gelernt habe ich dann im Studium (Fachliteratur) bzw. im Einzelunterricht (privat), in dem ich dann in einem Vierteljahr mehr lernte, als zuvor in sagen wir 5 Jahren Schule.
Die Englischunfähigkeiten (nicht nur in meiner Schule sondern allgemein zu beobachten) alleine sollten ein so deutliches Signal sein, dass längst etwas hätte passieren müssen. (von Deutsch, Mathematik und auch vor allem Naturwissenschaften will ich gar nicht anfangen)

Da werden Milliarden in tote Industrien (z.B. Kohle), Zersiedelung (Pendlerpauschale, Eigenheimzulage) etc. 'investiert' während an Bildung, der (meiner Meinung nach) einzig sinnvollen Invelstition bereits seit Jahrzehnten gespart wird, bis der Putz von den Decken fällt udn das Bauamt einschreitet.
Und da geht es keinesfalls nur um Spitzenforschung, Eliten etc. (die gibt es so oder so immer - die bilden sich - aber werden nicht gebildet), sondern um die Volksbildung. Darum, dass jeder hierzulande einen Grundstock hat (Lesen, schreiben kann, Texte verstehen kann, einige mathematische Fähigkeiten hat, weiß wie der Staat funktioniert, aus der Geschichte gelernt hat etc.) der ihn dazu befähigt hier ohne Hilfe des Staates zu leben und sich in seinen Möglichkeiten zu verwirklichen.

Die Bildungsausgaben in D sind marginal verglichen mit den Sozialausgaben. Stellt man dann noch die Frage, ob man die Sozialausgaben nicht binnen einer Generation drastisch reduzieren kann, wenn man die Bildungsausgaben stark erhöht, so kommt man doch nicht umhin festzustellen, dass sich eine Investition in Bildung mit Sicherheit amortisieren wird (vermutlich gar mehrfach).

Es geht ja hier nicht nur darum, dass ich es toll fände wenn hierzulande jeder über sonstwas philosophierte, sondern vielmehr darum, dass die breite Unbildung auch ein unglaublich großes wirtschaftliches Problem darstellt. Wie gesagt: Die 5 Millionen Arbeitslose sind überwiegend Ostdeutsche (deren Problem mit Bildung alleine vielleicht nicht gelöst werden kann aber wohl geschwächt) und Geringqualifizierte.

Bildung zu wollen heißt aber auch Integration. Ich arbeite in FFM. Eine Straße weiter betritt man ein anderes Land mit einer (eigentlich mehreren) fremden Kultur. In den Großstädten haben sich regelrechte Inseln gebildet, die über klassische Bildung nicht zu erreichen scheinen. Dort spricht kaum jemand so gut deutsch, dass es zu einer 'Hochqualifizierten' Tätigkeit ausreichen könnte. Hier ist ein massiver Integrationsaufwand notwendig, da ansonsten die hier existierenden Lücken (die ja auch in der Pisa-Studie deutlich wurden) weiter aufreißen. Hier muss Geld in die Hand genommen werden und der Dünkel der Leitkultur fallen gelassen werden, damit man sich auf einen Bildungsstand einigen kann, der trotz weltanschaulicher Differenzen existieren kann.

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