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das Weihnachtsmotto 2005

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eknori:
 :D

Marinero Atlántico:
Die wirtschaftliche "Krise" dieses Landes hat keine konjunkturellen sondern externe strukturelle Ursachen, an denen nicht gerüttelt werden kann.

Hans-Werner Sinn hat das gestern abend in einer Phönix-Runde klar dargestellt. Leider werden solche echten Intelektuellen nicht zu Christiansen eingeladen:

1. Technik und marktwirtschaftliche Reformen v.a. in Asien und Osteuropa haben dazu geführt, dass mehr ernstzunehmende Nachfrager für Investitionen "Hier" schreien, wenn ein Unternehmen eine Investition tätigen will.
Mit dem Ende des Kommunismus und Quasi-Sozialistischer Politik in Schwellenländern (Indien, Lateinamerika) sind also wesentlich mehr Arbeitsanbieter auf dem Markt.

2. Kapital für Investitionen bildet sich nicht über Nacht sondern in einem langen, über Generationen laufenden Sparprozess. Das Kapitalvolumen wird sich also nicht über Nacht dem vergrösserten Arbeitsangebot anpassen.

3. Vielmehr werden sich die Arbeitseinkommen in den einzelnen Ländern wie kommunizierende Röhren mittel- bis langfristig angleichen. Die Anzahl der Menschen, die täglich unter 1 Dollar auszukommen haben senkte sich in den letzten 20 Jahren von 44% auf 14%.

4. 2004 wird das Jahr mit dem größten weltwirtschaftlichen Wachstum seit 26 Jahren sein. In den meisten Schwellenländern ist dieses Wachstum va. Export- und Investitionsgetrieben (große Flächenstaaten wie Indien, China, Osteuropa aber auch btw. Chile, Brasilien und Argentinien).

5. Marktwirtschaft ist nicht gerecht. Wenn plötzlich ein größeres Arbeitsangebot um knappes Kapital konkurriert ist das "Pech" für das vorher schon für die Weltwirtschaft fitte Arbeitsangebot (Deutschland).

6. Da Marktwirtschaft nicht gerecht ist, muß der Staat für einen Ausgleich sorgen.

7. Wenn der Staat aber um zu viel Ausgleich sorgt, geht die Agilität der Marktwirtschaft verloren und alle werden ärmer (DDR). 

Fazit: Jeder der meint, dass wir nur mit dem Geiz aufhören sollte und alles werde "wie früher" irrt sich. Gerade in einer offenen Weltwirtschaft wird man nicht dadurch reicher, dass man mehr ausgibt.

Gruß Axel

Semeaphoros:
Zu 3: das müsste man dann aber mal noch indizieren, damit das überhaupt eine gültige Aussage abgibt, und dann wird es enorm schwierig, da dann auch gleich wieder regionale Faktoren hineinspielen. So wie das dasteht, ist das simpel eine plakativ populistische Behauptung ohne inneren Wert.

Zum Fazit: Geht es überhaupt darum, reicher zu werden?

Gandhi:
Schön, dass ich mal mit Marinero ziemlich einer Meinung wäre.
Aber kurzfristig würde es sicher schon helfen, die Geiz ist Geil Parole fallen zu lassen. Zumindest würde es dem Einzelhandel und den Speditionen gut tun.
Ein weiterer Aspekt: Geiz ist geil heißt ja nicht nur, dass ich möglichst wenig Artikel kaufe, sondern auch noch Artikel, die möglichst billig sind - somit wohl kaum in D hergestellt wurden. Auch das schadet der Deutschen Wirtschaft enorm.

Weiterhin: Durch den Kauf nicht wirklich notwendiger Produkte (z.B. einer elektrischen Parmesanreibe) entstehen natürlich weitere Industrieen - und die Wirtschaft wächst. Gammelt das Geld im Sparstrumpf - passiert nichts. Wenn Geiz schon geil sein soll, dann muss es wenigstens investiert werden - was wohl gerade nicht der Fall ist, wenn man hört, wieviel DM noch unterwegs sind.

Ich sehe in D im Moment wirklich vor allem ein Problem:
Deutschlands Wirtschaft ist nach wie vor gesund - nicht umsonst war man letztes Jahr Exportweltmeister.
Aber: Arbeit ist zu teuer.
Auf dem Arbeitsmarkt spiegelt sich dieser Erfolg aber nicht wider - weil Deutsche Export mitlerweile vor allem auch Deutsche Investition im Ausland bedeutet (wie gut, dass die Wirtschaft in Osteuropa und Asien investiert - sonst ginge es ihr noch viel schlechter). In Summe bedeutet dies, dass mehr und mehr Deutsche ihr Geld mit ihrem Geld verdienen - während es aufgrund hoher Lohn- und Lohnnebenkosten auf dem Arbeitsmarkt immer schlechter aussieht. Das wäre alles erst mal kein Problem - bald wären wir ein Volk von Finanziers.
ABER: Im Moment besteht noch gar keine realistische Möglichkeit diese Kapitalgewinne auch besteuern zu lassen - oder gar an den Sozialkosten zu beteiligen. Hier ist das Problem. In den 50er Jahren war das Steueraufkommen noch fast paritätisch zwischen Steuern aus Arbeit und Steuern aus Kapitaleinnahmen zusammengesetzt. Mitlerweile machen die Steuern aus Arbeitslohn einen weit höheren Teil aus (glaube weit über 80%) - trotz zwischenzeitlicher Verschiebung der Gesamteinnahmen zugunsten von Investitionsgewinnen.
Nun weiß das auch die Politik und schreit nach höheren Spitzensteuersätzen und Erbschaftssteuer und Luxussteuer und...
Helfen würden die nichts, da Geld - tatsächlich einfach zu flüchtig ist und meist sowieso schon im Ausland - ganz abgesehen von den zahllosen Möglichkeiten der Gewinnverteilung in internationalen Konzernen auf die einzelnen nationalen Töchter- von dem bürokratischen Monster, dass für die Abwicklung nötig wäre will ich gar nicht erst reden.
Abhilfe würde eine globale Anpassung der Steuersysteme (wenigstens grob) bringen, womit dann eine solche Kapitalflucht nicht mehr möglich wäre. Und natürlich eine drastische Vereinfachung des Steuersystems mit gleichzeitiger Senkung der Steuersätze (vielleicht führt das dann auch zu mehr Steuerehrlichkeit). Insgesamt jedoch ein höchst unangenehmes Thema, für das ich nicht mal einen ernsthaften (durchsetzbaren) Ansatz sehe...
Ansonsten finde ich die Idee mit der Kopfpauschale sehr gut - weil sie einfach ist und weil sie jeden erfasst (der Millionär, der von seinem Geld lebt, zahlt zur Zeit nichts in den Sozialstaat an Sozialabgaben - das kann es ja nun auch nicht sein)

Abschließend: Ich wünsche mir jemanden wie Herrn Sinn in die Politik. Gute, einfache, klare, plausible Ideen. Ansonsten lege ich jedem ans Herz die Brand1 zu lesen (http://www.brand1.de)

Glombi:
Ulrich, was hast Du nur wieder mit dem Bild angerichtet  ;D  ;)

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